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Berlinale 2017

„Hao ji le“ (Einen schönen Tag noch) im Wettbewerb der Berlinale

Zwei Männer unterhalten sich. Es gäbe drei Arten von Freiheit, sagt der eine. Erstens die Freiheit des Bauernmarktes, über den man gehen könne, um etwas zu kaufen. Zweitens die Freiheit des Supermarktes, in dem man kaufen könne, wozu man Lust habe. Und drittens die Freiheit des Internet-Shoppings, wo die Ehefrau einkaufen könne, was sie wolle. Ja, das habe er verstanden, meint der andere, aber er könne sich nicht einmal die Freiheit des Bauernmarktes leisten.

Der Animationsfilm „Hao ji le“ (Einen schönen Tag noch) von Liu Jian erzählt in Form einer sehr lakonischen schwarzen Komödie vom gesellschaftspolitischen Wandel in China: Während auf den Banknoten noch immer Maos Porträt zu sehen ist, gibt der Turbokapitalismus den Menschen das hohle Glücksversprechen, an einem Konsum teilzuhaben, der für die meisten Leute sowieso unerreichbar ist. Überall blinken in der leicht stilisiert gezeichneten braun-grauen Welt die Leuchtreklamen, die die Schäbigkeit des Lebens aber nicht übertünchen können.

„Hao ji le“ ist eine einfache Parabel: Es gibt eine Tasche voller Geld, und jeder will sie haben. Der junge Baustellenfahrer, der die Knete einem Gangsterboss entwendet hat, um seiner Freundin eine Schönheits-OP in Korea zu finanzieren, ist ein Depp, der zu viele Spuren – etwa im Internet-Café „Treu und Glauben“ – hinterlässt, denen alle möglichen Leute folgen: ein auf ihn angesetzter Killer, ein skrupelloser Erfinder und seine Gefährtin, eine Verwandte der Freundin und ihr Typ, der Gangsterboss und sein Schläger. Die meisten von ihnen haben irgendeinen Businessplan, was fehlt, ist das Startkapital.

Die sich ergebenden Verwicklungen und Zufälle sind komplett absurd, was die sich im Kreis bewegende Geschichte nicht verhehlt. Stattdessen zieht sie daraus ein bitteres Vergnügen: Nachdem jeder bereit gewesen ist, den anderen übers Ohr zu hauen, wenn es um den eigenen Vorteil geht, gibt es am Ende nicht viele Überlebende. Maos Porträt auf den Yuan-Scheinen scheint spöttisch zu grinsen.

Hao ji le, VRC 2017, 77 Min., R: Liu Jian

 

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