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The Happening

Ridley Scott sucht es. Wolfgang Petersen ebenso. Und auch wenn man sich in den letzten Monaten mit David Cronenberg oder David Fincher über Wunschprojekte un­terhielt, brach sich bei ihnen regelmäßig die Hoffnung Bahn, einen Science-Fiction-Stoff zu finden, der die ökologischen Probleme unserer Tage weiterdenkt und in einem Zukunftsthriller dramatisiert. „Ich will immer unterhaltsame Filme drehen“, so etwa Petersen, „doch wenn ich heute über Sci-Fi nachdenke, gründet das in der Sorge über unseren Planeten, den wir eines Tages vielleicht nicht aus Expeditionslust verlassen, sondern um neue Lebensräume zu erschließen.“ Oder „Blade Runner“-Veteran Scott zum selben Problem: „Es wäre wunderbar, zu meinen filmischen Wurzeln zurückzukehren, aber ich finde einfach kein Drehbuch mit glaubhaften Antworten auf die essenziellen Fragen des frühen 21. Jahrhunderts. Wasserknappheit könnte ein zentrales Thema sein. Es müsste so etwas sein wie Roland Emmerichs ,Day After Tomorrow‘ – nur eben ein guter Film.“?

Hollywood Goes Green – diese Schlagzeile stand bisher bloß über den sorgenvollen Auftritten von US-Stars, die stellvertretend für die amerikanische Bevölkerung ein Weilchen später als der Rest der Welt entdeckten, dass Privatjet und Porsche schwerlich als klimafreundliche Fortbewegungsmittel taugen. Seitdem verkündet George Clooney, dass sein Elektroauto durchaus in einem Wimpernschlag von null auf hundert komme. Hobbyarchitekt Brad Pitt konzipiert derweil energiesparende Häuser in New Orleans, Cameron Diaz gluckst wie ein Groupie bei der Ankündigung Al Gores beim Earth Day, und Leonardo DiCaprio lässt sich für das „Vanity Fair“-Cover mit einem Berliner Eisbären fotografieren, um seine warnende Ökodokumentation „The 11th Hour“ zu bewerben. Zweitrangig wird dabei, ob der telegene und imagefördernde Aktionismus beim Publikum tatsächlich irgendein Problembewusstsein schärft oder hier nur mit dem Label des Öko-Schicks zu den Bekehrten gepredigt wird. Denn das Thema liegt sprichwörtlich in der Luft und wandert längst auch aus den rauchenden Köpfen der Teilzeitaktivisten in die Kinos. Die Erde mag auf lange Sicht im Eimer sein. Auf der Leinwand aber geht es mit den Schreckens- und Rettungs­szenarios jetzt erst richtig los.

Dieser Tage startet „The Happening“ (Arbeitstitel: „The Green Effect“) vom manischen Geheimniskrämer M. Night Shyamalan, der freilich schon vor drei Jahren im tip-Interview bekannte, vor Sorge über unseren Raubbau an der Natur Schlaf zu verlieren und sich des Themas offensiv annehmen zu wollen. In „The Happening“ wird nun tatsächlich die Umwelt zum Protagonisten, zum Aggressor gar…

Lesen Sie weiter in unserem aktuellen Tip-Heft 13/08

Text: Roland Huschke

The Happening-Aufführungen

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