Coming of Age

„Hard Paint“ im Kino

Psychostripper: „Hard Paint“ erzählt von der Brutalität Brasiliens

Pro Fun Media

Neonboy hat, wie es sich für ­einen Superhelden gehört, anständige Angststörungen unter der Fassade zu bieten. Fassade, das ist seine Haut, und wenn sich ­Pedro, um die 20, auf seinen Skinny-Twink-Körper Neonfarben streicht, wird er zu Neonboy, dem Online-Sex-Chat-Stripper, dem die Männer vertrauen. Im Offline-Leben ist Pedro ein schüchterner Typ, der es kaum mal fünf Minuten außerhalb des Apartments seiner Schwester aushält – aber wegen schwerer Körperverletzung angeklagt ist.

Auf der Berlinale bekam „Hard Paint“ 2018 zurecht den Teddy als bester Spielfilm. Visuell macht er viel her, nicht nur wegen der leitmotivischen Neonfarben in oft spärlich ausgeleuchteten Bildern. Dramaturgisch ist es spannend, dass ein schwuler Coming-of-Age-Film seinem Protagonist endlich mal glaubhaft ambivalente, zarte bis aggressive Züge gönnt, statt ihn bloß ein glatter, obersympathischer Posterboy sein zu lassen. „Hard Paint“ erzählt zudem von der Brutalität der akut nach rechts driftenden brasilianischen Gesellschaft, wo weltweit die meisten queerphoben Hassverbrechen begangen werden.

Hard Paint BRA 2018, 118 Min., R: Filipe Matzembacher, Marcio Reolon, D: Shico Menegat, Bruno Fernandes, Start: 15.11.

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