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"Hardcore" im Kino

"Hardcore" im Kino

In kurzen Musikvideos hat das ­konsequente Filmen aus subjektiver Perspektive schon länger seinen festen Platz, im Kino seltener. Nun wagt der durch Musikvideos bekannte russische Regisseur Ilya ­Naishuller ein Experiment. Hauptfigur ist ein kybernetisches Wesen namens ­Henry, der auf einer Art Schnitzeljagd nach Antworten über seine Existenz sucht, was vor allem bedeutet: Hundertschaften von Feinden mit allerlei Waffen ausmerzen.
In so genannten First Person Shooters steuert der Spieler keine im Bild zu sehende Figur, es sind nur diverse Waffen am Bildrand zu sehen. Nach diesem Prinzip funktioniert "Hardcore", gefilmt mit Weitwinkelobjektiven, Helmkameras und anderen Tricks, die für ein intensives Erlebnis sorgen.
Über die Moral eines solchen Films ließe sich ausgiebig sinnieren. Lässt man sich jedoch auf dieses Experiment ein, ist es ein großes unmoralisches Vergnügen zu erleben, wie Henry eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Erstaunlich gut hält Naishuller dabei die Balance zwischen Action und ruhigeren Momenten, spart nicht an Humor und schafft es, eine dünne Idee zu einem erstaunlichen Spielfilm auszudehnen.    

Text: Michael Meyns

Foto: Capelight

Orte und Zeiten: Hardcore

Hardcore RUS/ USA 2015, 90 Min., R: Ilya Naishuller, D: Sharlto Copley, Haley Bennett

?Kinostart: Do, 14. April 2016

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