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Harry Potter und der Halbblutprinz

Harry_PotterWir erinnern uns: Am Ende von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ half kein Leugnen und kein Jammern: Lord Voldemort war zurückgekehrt. Und einmal mehr schickte sich der Dunkle Lord an, die Herrschaft zu übernehmen. Das bekommt zu Beginn von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ auch die nicht-magische Londoner Muggel-Welt zu spüren, als Anhänger des Erzschurken mal eben die Millenium Bridge zusammenfallen lassen. Allerdings war’s das dann auch schon in Sachen Kampf zwischen Gut und Böse, jedenfalls auf gesellschaftlicher Ebene. Die Auswirkungen nämlich, die das Wiedererstarken des Schwarzmagiers auf die Gemeinschaften von Zauberkundigen wie -unkundigen hat – Auswirkungen, die in der Buchvorlage nicht unbeträchtlich Raum einnehmen -, die blendet David Yates in seiner Verfilmung fast völlig aus.

Harry_Potter_und_der_HalbblutprinzStattdessen bekommt man es mit den ersten Liebesnöten von Harry, Hermione und Ron zu tun – die nehmen in der Vorlage zwar durchaus auch einigen Raum ein, bestimmen das Geschehen aber nicht mit vergleichbarer Ausschließlichkeit. „…Halbblutprinz“ fällt damit noch hinter den gleichfalls von Yates verantworteten „…Orden des Phönix“ zurück, der ja nicht weniger den Eindruck einer Ansammlung von Illustrationen machte, deren einziges Auswahlkriterium die Verharmlosung des Großen Ganzen gewesen zu sein schien.
Freilich ist J.K. Rowlings Potter-Saga keine tiefschürfend komplexe Politparabel, natürlich findet in einer Literaturverfilmung niemals das ganze Buch Platz, und möglicherweise mag den jüngeren Fans des Zauberlehrlings ja all das Hin und Her um Küsse und Herzschmerz als thematischer Schwerpunkt genügen – aber muss das dann tatsächlich zweieinhalb Stunden dauern? Zweieinhalb fragmentarisch wirkende, bleifüßig einherschlurfende Stunden, in denen sich weder die Gewissensnöte so manch gehaßt-geliebter Figuren, noch die Bedrohung durch den Dunklen Lord erschließen, und die daher nicht einmal als Vorbereitung für den in zwei Teilen konzipierten Showdown in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ taugen. Auch diesen wird Yates in Szene setzen. Hoffentlich nicht erneut in den Sand.

Text: Alexandra Seitz

(tip-Bewertung: zwiespältig)


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Harry Potter und der Halbblutprinz im Kino in Berlin
USA/GB 2009, Regie: David Yates; Darsteller: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint, 153 Minuten,

Kinostart: 16. Juli

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