Kino & Stream

„Haus Tugendhat“ im Kino

Haus Tugendhat

Eine Architekturdokumentation ist „Haus Tugendhat“ eigentlich nur zu Beginn, wenn die Kamera in langsamen Fahrten die Räume der vom Bauhaus-Stararchitekten Ludwig Mies van der Rohe in den Jahren 1928-30 in Brno (Brünn) errichteten Privatvilla erschließt und sich in den kontroversen zeitgenössischen Stimmen etwas von der Aufbruchstimmung und den Utopien des modernen Bauens vermittelt. Dann jedoch erzählt der Film eher vom Schicksal der ursprünglichen Besitzer, der jüdischen Fabrikantenfamilie Tugendhat, und ihrer Emigration nach Venezuela und in die Schweiz, sowie von der wechselvollen Geschichte der in damals revolutionärer Stahlskelettbauweise errichteten Villa. Aber auch das bleibt spannend, zumal von der Tugendhat-Familiengeschichte immer wieder vielerlei Bögen zum Haus geschlagen werden – nicht zuletzt, weil der Ehemann einer der Töchter mitverantwortlich für die Restaurierung war. Und in den liebevollen Schilderungen jener Tschechen, die während der sozialistischen Ära in der damals als Therapiezentrum für wirbelsäulengeschädigte Jugendliche dienenden Villa einquartiert waren, wird deutlich, dass deren Offenheit und Großzügigkeit eine selbst Kindern erkennbare Alternative zur grauen Enge der Diktatur bot. Eine gelungene Utopie.

Text: Lars Penning

Foto: strandfilm, Pandora Film Verleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Haus Tugendhat“ im Kino in Berlin

Haus Tugendhat, Deutschland 2013; Regie: Dieter Reifarth; 117 Minuten; FSK 0

Kinostart: 30. Mai

Mehr über Cookies erfahren