Drama

„Hedis Hochzeit“ im Kino

Kuschen oder Aufbegehren? Tradition versus Neuanfang: „Hedis Hochzeit“

Foto: Arsenal Filmverleih

Das Leben des jungen Tunesiers Hedi (Silberner Bär für Majd Mastoura) hat dessen Mutter voll im Griff. Die Braut ist ausgesucht, die Hochzeit vorbereitet, das obere Stockwerk ihres Hauses für das junge Paar ausgebaut. Hedi Mann ist kein Held, eher ein Hasenfuß. Auch von seinem Chef wird er rumkommandiert.
Regisseur Mohamed Ben Attia, Jahrgang 1976, nimmt sich für diese Charakterisierung viel Zeit. Erst als Hedi auf Dienstreise gehen muss – und da ist die Hälfte des Films vergangen – kommt Bewegung in die Geschichte. Hedi verliebt sich in die Touristenbetreuerin Rim. Soll er noch heira­ten? Oder mit Rim das Land verlassen? Plötzlich hat Hedi viele Konflikte zu bewältigen. Eine Lage, die der Film relativ deutlich als Gleichnis auf die Revolution in Tunesien und die daraus folgenden politischen Umwälzungen benennt. Ein ambitionierter Film, der den Protagonisten und der Darstellung ihrer unterschiedlichen Gefühlslagen erfreulich viel Raum gibt. Einerseits. Andererseits ist „Hedis Hochzeit“ so konventionell erzählt, dass er nicht die Größe hat, um als Gesellschaftspanorama Tunesiens ­gelten zu können.

Inhebbek Hedi (OT) TUN/B/F 16, 88 Min., R: Mohamed Ben Attia, D: Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita, Start: 22.9.

Bewertungspunkte3

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