Kino & Stream

„Heidi“ im Kino

Heidi

Zwei Heidi-Romane Johanna Spyris hat sich Drehbuchautorin Petra Volpe zur Vorlage genommen, um aus ihnen die Handlung dieser neuen Verfilmung von Alain Gsponer zu extrahieren: „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ von 1879 und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ von 1880. Dabei ist die Geschichte um das kleine Mädchen im Grunde schnell erzählt, wohl auch, weil hierzulande sicherlich kaum jemand anzutreffen ist, der noch nie etwas von ihm gehört, gelesen oder gesehen hat: Waisenkind Heidi (zauberhaft: Anuk Steffen) wird von ihrer Tante Dete hoch auf die Alm zum Almöhi (Bruno Ganz) gebracht, der dort ein Dasein fernab der Städter, ja, der Menschen führt. Er soll sich fortan um das Kind kümmern. Zunächst wenig begeistert, vermag die ausgelassene und unverfälschte Heidi sein Herz doch schnell zu erwärmen, sodass der Griesgram ihr das Leben auf der Alm näherbringt, das nicht nur guten Käse und Ziegenmilch bereithält, sondern auch den Geissenpeter.
Ein Bilderbuch-Idyll, das von Dete nach einiger Zeit jedoch wieder aufgebrochen wird: Heidi soll in die Stadt, nach Frankfurt, um der im Rollstuhl sitzenden Klara Sesemann (Isabelle Ottmann) zur Spielgefährtin zu werden. Eine dramatische Verpflanzung, begreift man Heidi in Frankfurt doch entweder als willkommene Exotin oder, im Falle des Fräulein Rottenmeier (Katharina Schüttler), als zu begradigendes Element.
Gsponers Film hält sich derweil eng an den von Spyri verfassten Originalmythos, verzichtet auf Modernisierungen oder hinzugefügte Ausdeutungen. In einer derartigen Berechenbarkeit liegt etwas Wohliges, zumal es gelungen ist, die Erzählung mit einer hervorragenden Besetzung zu beseelen. Anuk Steffens Heidi rührt tatsächlich an, ihre innere Pein in der Frankfurter Stadtvilla scheint ein universaler Übertragungsmoment von Sehnsucht und Heimweh.

Text: Carolin Weidner

Foto: Studiocanal GmbH / Walter Wehner

Orte und Zeiten: „Heidi“ im Kino in Berlin

Heidi, Deutschland/Schweiz 2015; Regie: Alain Gsponer; Darsteller: Anuk Steffen (Heidi), Bruno Ganz (Almöhi), Quirin Agrippi (Geissenpeter); 105 Minuten

Kinostart: Do, 10. Dezember 2015

Mehr über Cookies erfahren