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Heike Makatsch als Hildegard Knef in „Hilde“

Heike Makatsch in

Es hätte die Rolle ihres Lebens sein können. Heike Makatsch hat sich mit unglaublicher Energie reingeschafft in die Rolle der Knef. Alles gelesen, Filme und Dokumentationen gekuckt, Gesangsunterricht genommen, Gesten und Sprache der Knef studiert. Und vor der Kamera eine erstaunliche Mimikry geliefert. Heike Makatsch macht ihre Sache ganz großartig. Kein Zweifel, die Makatsch hat die Knef nicht vermasselt. Makatsch ist bestimmt die beste Schauspielerin, die man für die Knef-Rolle aufbieten kann. Umso erschüt­tern­der, grausamer, peinlicher ist es, was der Regisseur Kai Wessel und die Drehbuchautorin Maria von Heland aus dem Traumduo Makatsch/Knef machen: nämlich nichts, was angesichts des Sujets auch schon wieder eine beeindruckende Leistung ist.

Es gibt circa fünf interessante Minuten zu Anfang und am Ende des Films. Da wartet die Sängerin Hildegard Knef in der Künstlergarderobe auf ihren Auftritt in der Berliner Philharmonie. Es ist ein wichtiges Konzert. Regie und Kamera nehmen sich Zeit, Heike Makatsch darf sich als Knef ausbreiten, man hat kurz den Eindruck, auf der Leinwand wird jetzt etwas Besonderes passieren, das man un­bedingt sehen muss. Doch dann entscheiden sich Regie und Drehbuch anders und nerven mit einem sogenannten Stationendrama.

Ein hässliches Wort für eine hässliche Sache. Bei einem Statio­nendrama wird so gut wie jedes Kapitel einer Biografie stumpfsinnig abgefilmt und abgehakt: Und dann passierte das, dann passierte das und dann das. In „Hilde“ geht es mit der Schauspielschule los, dann kommt die Affäre mit dem Filmproduzenten und Nazi Ewald von Demandowsky, dann die Gefangenschaft, dann Theater im Trümmer-Berlin, dann die Rolle in „Die Mörder sind unter uns„, dann erste Ehe, dann Hollywood, dann wieder Deutschland, dann der Nacktskandal, dann Broadway, dann zweite Ehe, dann Sängerin.

Hilde

Zwei elende, öde, unfassbar be­­langlose Stunden geht das so. Nicht eine einzige Idee haben Regisseur und Drehbuchautorin, was sie über die Knef erzählen wollen. Dass sie ein Star mit einer ungewöhnlichen Geschichte ist, wuss­te man ja auch schon vorher. Mehr kommt einfach nicht hinzu. Es bleibt beim buchhalterischen Abhaken und Bebildern der Karrierestationen. Irgendjemand müsste jetzt mal einen richtigen Film über Hildegard Knef machen. Der sollte dann aber nicht einen anbiedernden und ranschmeißerischen Titel wie „Hilde“ haben, sondern rau und kantig „Knef“ heißen. Das passt viel besser zu der „größten Sängerin ohne Stimme“, wie Ella Fitzgerald die Knef mal bezeichnet hat. „Hilde“ – das hat die Knef nicht verdient. Und Heike Makatsch auch nicht.

Text: Volker Gunske

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tip-Bewertung: Ärgerlich

Hilde, Deutschland 2009; Regie: Kai Wessel; Darsteller: Heike Makatsch (Hildegard Knef), Dan Stevens (David Cameron),
Monica Bleibtreu (Else Bongers); Farbe, 136 Minuten

Kinostart: 12. März 2009

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