Horrorfilm

„Heilstätten“ im Kino

Klaustrophobie und Kalkül: Schon das Wort „Heilstätten“ verheißt offenbar Grusel

2017 Twentieth Century Fox

Die Heilstätten Beelitz: ein düsterer Ort, willkommener Schauplatz für die Selbstdarstellung einiger YouTuber, die hier eine „24-Stunden-Challenge“ austragen wollen. Ausgerüstet mit Nachtsicht- und Wärmekameras stellen sie sich der ­Herausforderung, ihre Furchtlosigkeit für ihre Follower in Szene zu setzen und eventuellen paranormalen Erscheinungen standzuhalten. Aber da es sich hier um einen Horrorfilm handelt, bleibt der ­reale Schrecken nicht lange aus.

Der Titel bleibt im Gedächtnis haften und wenn man bei „Heilstätten“ gleich „Beelitz“ ergänzen kann, dann stellt sich der Grusel ein, in der Kombination des realen Schreckens (Menschen­experimente, die hier möglicherweise zur Zeit des Nationalsozialismus durchgeführt wurden) mit der Schauermär, dass die Geister der Toten hier noch herumspuken.
Präsentiert wird das Ganze in der Erzählform des Found Footage, die mit „The Blair Witch Project“ eine kommerzielle Blüte erlebte und bis zur „Paranormal Activities“-Filmreihe reicht. Die Filme sind billig herzustellen, man braucht nur ein unheimliches Gebäude, eine Handvoll mäßig talentierter Darsteller, wenig Licht – und eine Wackelkamera.

„Heilstätten“ ist zwar eine Low-Budget-Produktion, konnte sich dennoch an Fördergeldern erfreuen und wird von einem US-Major ins Kino gebracht – ­seinen vorherigen Film, die Splatter­komödie „Kartoffelsalat“, hatte Regisseur Michael David Pate noch im Eigenverleih in die Kinos gebracht. Nun verkündet Produzent Till Schmerbeck, „die Schmerbeck Filmproduktion in Berlin hat mit ‚Heilstätten‘ den ersten deutschen Horrorfilm mit Box-Office-Potential produziert“.

Was bleibt, ist ein akzeptabler Gruselfilm, dessen großes Plus Hauptdarsteller Tim Oliver Schultz ist. Der hat sein Talent schon in Jugendfilmen („Systemfehler – Wenn Inge tanzt“) und in der TV-Serie „Club der roten Bänder“ unter Beweis stellen können und agiert hier mit zurückhaltender Souveränität, was auch einen schönen Kontrast zu einigen anderen Darsteller markiert, bei deren zur Schau gestellter Hysterie man manchmal geradezu hofft, sie würden bald hingemetzelt werden. In Beelitz, dem „wohl größten Denkmalensemble des Landes Brandenburg“ durfte übrigens nicht gedreht werden. Zu Recht befürchteten die gegenwärtigen Besitzer angesichts der erzählten Geschichte, dass der Ort erneut zum „Wallfahrtsort für Subszenen“ wird. So entstand der Film stattdessen in den Heilstätten ­Grabowsee.

Heilstätten D 2018, 98 Min, R: Michael David Pate, D: Tim Oliver Schultz, Sonja Gerhardt, Start: 22.2.

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