Romanadaption

Helene Hegemanns „Axolotl Overkill“ im Kino

Helene Hegemann hat mit „Axolotl Overkill“ ihren ersten Roman selbst verfilmt

Plötzlich wackelt ein Pinguin durch das Zimmer, in dem Mifti auf dem Bett liegt, wie immer mehrfach angeschlagen – von den vielen Drogen, den durchgemachten Nächten, den Zumutungen eines Teenagerlebens. Aus dem narrativen Nichts ist das Tier aufgetaucht. Es hat nichts zu tun mit der Erzählung über die 16-Jährige, deren Mutter tot und deren vermögender Vater anderweitig beschäftigt ist. Mifti lebt mit ihren älteren Geschwistern in einer Altbauwohnung irgendwo in Berlin zusammen. Die Schule hat Pause. Der Pinguin ist, wie der ebenfalls auftauchende Axolotl und das Einhorn, eine Art surrealer Hoffnungsschimmer in dieser verfickten Kiste, die Miftis Leben ist. Immerhin bringt sie dieses putzige Tier zum Lachen. Mifti, von Jasna Fritzi Bauer sensationell verkörpert, mag verstrahlt sein, unerreichbar ist sie nicht.
Als Helene Hegemann vor sieben Jahren „Axolotl Roadkill“ veröffentlichte, wurde die Qualität ihres Romans, nämlich die radikale Subjektivität der Erzählweise, überstrahlt von den Diskussion darüber, ob sie wirklich im Berghain war und warum sie ganze Passagen aus „Strobo“ von Airen abgeschrieben hatte. Auch der Film wirft seine – mit Mavie Hörbiger, Arly Jover und Laura Tonke großartig besetzten – Figuren von einer Situation in die nächste. Doch es gelingt Hegemann, neben Miftis Notwehrzynismus auch einen liebevoll-ironischen Blick auf sie zu entwickeln.

Axolotl Overkill D 2017, 94 Min, R.: Helene Hegemann, D.: Jasna Fritzi Bauer, Mavie Hörbiger, Laura Tonke, Start: 29.6.

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