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„Henri 4“ im Kino

Zwei Bände und rund 2000 Seiten benötigte der Schriftsteller Heinrich Mann, um in den Romanen „Die Jugend des Königs Henri IV“ und „Die Vollendung des Königs Henri IV“ das Porträt eines toleranten Herrschers zu entwerfen. Henri war im 16. Jahrhundert in die Glaubenskriege zwischen Katholiken und Hugenotten verwickelt und erließ als König schließlich das Edikt von Nantes, das religiöse Freiheit zusicherte. Für Heinrich Mann war dies ein Gegenentwurf zur Nazidiktatur, vor der er geflohen war. Geschlagene 154 Minuten benötigt der Regisseur Jo Baier, um in seiner (Fernseh-) Verfilmung der Mann-Romane rund 19 Millionen Euro Produktionskosten in den Sand zu setzen. Nie findet sein Film zu einem angemessenen Ton, sondern wirkt stattdessen wie die unfreiwillige Parodie eines His­torienschinkens, in dem sich vor allem eine Riege namhafter deutscher Darsteller mit restlos überzogenem Spiel bis zur Lächerlichkeit blamiert. Was den Romanen gelingt, nämlich die Verquickung der privaten und der öffentlichen Aspekte im Leben des Königs, erscheint hier lediglich wie Kolportage.

Text: Lars Penning

Foto: Reiner Bajo

tip-Bewertung: Ärgerlich

Orte und Zeiten: „Henri 4“ im Kino in Berlin

Henri 4, Deutschland/Frankreich/Spanien/Österreich 2010; Regie: Jo Baier; Darsteller: Julien Boisselier (Henri Quatre), Joachim Krуl (Agrippa), Roger Casamajor (Rosny); Farbe, 154 Minuten

Kinostart: 4. März

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