Dokumentarfilm

„Herkules“ im Kino

Einfach machen: Kohleschleppen ist Herkules-Arbeit

Foto: Volker Meyer-Dabisch

Schauplatz: die Kohlehandlung der Familie Özdemir in Berlin. ­Vater Ahmed hielt hier bis 2009 die Stellung, danach gab er den Laden auf, nicht aber die schwere Arbeit. Volker Meyer-Dabisch zeigt mit seinem Film, dass die dokumentarische Arbeit oft am besten an der eigenen Haustür beginnt – vorausgesetzt, man hat so „fotogene“ Protagonisten wie die Özdemirs. Sie haben sich in Berlin auf ein Gewerbe verlegt, das wie wenige andere zu einem historischen Abschnitt gehört: Die Zeit der Kohleöfen ist weitgehend vorbei, früher wohnte kaum jemand in Kreuzberg und Neukölln anders.
Im Laden der Özdemirs, in dem anfangs noch die Mutter regiert, geht ein vielfältiges Volk ein und aus, auch die Familie selbst hat denkwürdige Mitglieder, neben den Eltern vor allem Sohn Oktay, ein Schauspieler. „Herkules“ ist von jener überzeugenden Direktheit, die der Regisseur (der 2010 mit „Der Adel vom Görli“ eine vergleichbare Kiezrecherche betrieben hat) aus dem Off selbst kundtut: „Ich mache einfach!“ Ahmed Özdemir hat auch einfach gemacht. In dieser Langzeitbeobachtung kann man schön sehen, was das Leben mit Menschen macht.

Herkules D 2016, 72 Min., R: Volker Meyer-Dabisch, Start: 30.3.

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