Groteske

„HERRliche Zeiten“ im Kino

Langsam hat man dann doch die Nase voll von der penetranten Selbstinszenierung Oskar Roehlers als großer Rebell des deutschen Kinos

Concorde

Mit jedem neuen Film bekommt man es wieder um die Ohren gehauen: Nur Roehler wagt jene Tabubrüche, die sich hierzulande sonst niemand traut. Gemessen am Anspruch ist das Ergebnis dann jedoch reichlich lau: unentschiedenes, halbgares Zeug, nicht Fisch, nicht Fleisch. Die Provokation einer Szene wird in der nächsten schon wieder zurückgenommen.

Das ist auch in Roehlers jüngster Groteske „HERRliche Zeiten“ nicht anders, in der der Regisseur frei nach dem Roman „Subs“ von Thor Kunkel die Geschichte eines wohlsituierten Kölner Ehepaars (Oliver Masucci und Katja Riemann) erzählt, bei dem sich auf die scherzhafte Anzeige „Sklave gesucht“ mit Bartos (Samuel Finzi) ein scheinbar ernsthafter Anwärter auf den Posten als unbezahlter Haushälter, Koch und Diener meldet. Was insbesondere den sowieso nur schwach ausgeprägten moralischen Kompass des schnöseligen Hausherren endgültig durcheinander bringt. Nur: Was soll das alles? Für eine Farce ist es bei weitem nicht lustig genug, für eine Satire fehlt es an einer eindeutigen Stoßrichtung. Dem Stoff über die Verworfenheit der Reichen irgendeine gesellschaftliche Relevanz beizumessen, wäre an den Haaren herbeigezogen. So endet das Stück um eine Gruppe von unsympathischen Pappkameraden vor allem als Langweiler.

HERRliche Zeiten D 2018, 110 Min., R: Oskar Roehler, D: Oliver Masucci, Katja Riemann, Samuel Finzi, Lize Feryn, Start: 3.5.

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