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„Herz aus Stahl“ im Kino

Herz aus Stahl

Brad Pitt hat sein Kostüm aus Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“ wieder aus dem Fundus vorgekramt und schlüpft abermals in die Rolle eines verwegen dreinblickenden amerikanischen Nazitöters. In einem liebevoll „Fury“ getauften Sherman-Panzer rumpelt er kurz vor Kriegsende mit seinen ebenfalls berühmten Schauspieler-Kameraden Shia LaBeouf und Jon Bernthal durch Nazideutschland, um die fiesen Krauts in die Knie zu zwingen. Sind alle SS-Hampelmänner umgelegt, machen sich die im Grunde ganz anständigen Erlöser die blonden deutschen Mädels mit Schokolade gefügig, die sich ihnen dann brav an den Hals werfen und Kaffee kochen.
Drehbuchautor und Regisseur David Ayer geht es wohl um die beklagenswerte Verrohung und das Seelenheil junger Soldaten im Ausnahmezustand Krieg. Deshalb fliegen den heldenhaften Befreiern bei ihrem Himmelfahrtskommando auch jede Menge Nazihirnmasse und weggesprengte Körperteile gesichtsloser Schweinehunde um die Ohren. Es fällt allerdings schwer, das Anliegen und die durchaus beeindruckende schauspielerische Leistung von Leinwandstars wie LaBeouf zu goutieren, wenn man ständig dessen Auftritte in infantilen, vom US-Militär gesponserten Blockbustern wie „Transformers“ vor Augen hat. Und wenn der von seinen Kameraden respektvoll „Wardaddy“ genannte Pitt selbst dann noch verdammt gut aussieht, wenn er schlamm- und blutverkrustet von Kugeln durchsiebt und mit Handgranaten beworfen den dramatischen Heldentod in seinem Panzer stirbt, bleibt die Glaubwürdigkeit dieses durchaus ernst gemeinten Anti-Kriegsschinkens doch etwas auf der Strecke. Wo ist Steven Spielberg, wenn man ihn braucht?

Text: Jörg Buttgereit

Foto: 2014 Sony Pictures Releasing GmbH

Orte und Zeiten: „Herz aus Stahl“ im Kino in Berlin

Herz aus Stahl (Fury), USA 2014; Regie: David Ayer; Darsteller: Brad Pitt (Don ‚Wardaddy‘ Collier), Shia LaBeouf (Boyd ‚Bible‘ Swan), Logan Lerman (Norman Ellison); 134 Minuten

Kinostart: Do, 01. Januar 2015

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