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Highlights auf dem kommenden Sundance Film Festival

Lay The Favorite

„Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten zwingen viele Filmemacher, erfinderisch und wirklich unabhängig zu arbeiten“, erklärt John Cooper, der künstlerische Leiter des Sundance Film Festivals. „In diesem Jahr wurden uns auffallend reife Visionen und starke Geschichten eingereicht. Ein aufregendes Festival und ein bemerkenswertes Jahr für den Independentfilm liegt vor uns.“ Im Programm des 28. Festivals (19. bis 29. Januar) haben die wenigsten Filme schon einen Verleih, sodass dem Festival ein lebhaftes Marktgeschehen ins Haus stehen sollte. Cooper glaubt jedoch, dass die Preise wieder moderater geworden sind, nachdem frühere Sundance-Buzztitel im Kino doch nicht hielten, was man sich von ihnen versprach. Naturgemäß fällt es bei einem ausgewiesenen Indie- und Nachwuchsfestival nicht leicht, im Vorfeld die Filme zu benennen, die Potenzial für eine Kinoauswertung haben. In der namhaft besetzten Reihe „Premieres“ sollte in jedem Fall etwas dabei sein.
Zu sehen ist dort etwa Stephen Frears „Lay the Favorite“ (Szenenfoto oben), ein Film über eine junge Frau (Rebecca Hall), die in Las Vegas mit einem kuriosen Männergrüppchen (u. a. Bruce Willis, Vince Vaughn) in Kontakt kommt, das Sportwetten manipuliert. Das Interesse ist auch „Bachelorette“ gewiss, eine Komödie über vier Schulfreundinnen, die anlässlich eines Junggesellinnenabschieds noch einmal zusammentreffen. Leslye Headland hat ihr eigenes Theaterstück verfilmt, mit Kirsten Dunst in der Hauptrolle. Auch Spike Lee kehrt zu seinen Indiewurzeln zurück, er zeigt „Red Hook Summer“, einen autobiografisch angehauchten Film über einen Jungen aus Atlanta, der den Sommer bei seinem Großvater in Brooklyn verbringt. Lee schlüpft hier noch einmal in die Rolle des Pizzalieferanten Mookie aus „Do the Right Thing“. „2 Tage New York“ erlebt Julie Delpy – das Sequel zu „2 Tage Paris“, das Senator Film Köln koproduziert hat. Starpower bietet das Drama „Arbitrage“ von Nicholas Jarecki, über einen in die Enge getriebenen Börsenmakler (Richard Gere), an dessen Fersen sich Tim Roth als Cop geheftet hat. Robert Carlyle gibt in „California Solo“ einen ehemaligen Britpopstar, der sich in L. A. den Realitäten stellen muss. In „Robot and Frank“ spielt Frank Langella einen Mann, der von seinen Kindern einen Roboter als Altenbetreuer zur Seite gestellt bekommt.
The End Of LoveIm US-Wettbewerb finden sich Beziehungsdramen wie „For Ellen“ mit Paul Dano (Regie: So Yong Kim) oder „The End of Love“ (Szenenfoto links) mit (und von) Mark Webber, Michael Cera und Amanda Seyfried. Todd Luioso zeigt „Hello I Must Be Going“, in dem eine 35-Jährige (Melanie Lynskey) schmachvoll zurück zu ihren Eltern ziehen muss und durch die Freundschaft mit einem Teenager neue Hoffnung schöpft. Der Afroamerikaner Sheldon Candis drehte sein Drama „LUV“ in den Straßen von Baltimore (mit Dennis Haysbert und Danny Glover). „Breaking Bad“-Star Aaron Paul und Mary Elizabeth Winstead spielen in „Smashed“ ein junges Alkoholikerpaar.
Im Dokuwettbewerb setzen sich auffallend viele Filmemacher mit aktuellen Problemen in den USA auseinander; seien es die zunehmende soziale Ungleichheit, das Gesundheitssystem oder die Atompolitik. In „The House I Live In“ bilanziert Eugene Jarecki den seit 40 Jahren erfolglos geführten „War on Drugs“. In „Detropia“ porträtieren Heidi Ewing und Rachel Grady die darbende ehemalige Autostadt Detroit als Synonym für das Industriesterben in den USA. Auf internationales Interesse dürfte Alison Klaymans „Ai Weiwei: Never Sorry“ stoßen, ein Porträt des chinesischen (Polit-)Künstlers.
Während die Deutschen in den vergangenen Jahren mit schöner Regelmäßigkeit in Sundance vertreten waren, sucht man deutsche Filmemacher in diesem Jahr vergeblich im sehr europhilen internationalen Wettbewerb. Lediglich bei den Kurzfilmen wurden zwei deutsche (Ko-)Produktionen eingeladen, „Spielzeit“ und „Into the Middle of Nowhere“. Im Langfilm-Wettbewerb vertreten sind dagegen der tschechische Regisseur Bohdan Slбma mit dem Familiendrama „4 Suns“ oder der Spanier David Trueba mit dem Generationenporträt „Madrid, 1987“.
Erst am Ende des Festivals wird man sich ein konkretes Bild vom Status quo des Indiefilms machen können. „Es ist nie voraussehbar, aber immer interessant. Und genau das liebe ich“, fasst Festivalgründer Robert Redford den Kern von Sundance in Worte.

Quelle: Blickpunkt:Film

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