Kommentar

„Hin zum Ideal“ von Bert Rebhandl

Wenn diese Zeilen erscheinen, werden die deutschen Filmpreise des Jahres 2017 schon in den Schrankwänden und Vitrinen ­verdienter deutscher Filmschaffender ihre Bestimmung gefunden haben

Bert Rebhandl

16 Lolas werden schweigend darauf insistieren, dass sie nicht von einem ­berühmten Lied der Kinks ­abstammen, und auch nicht von einem häufig gebrauchten Kürzel in Kurznachrichten, mit dem ­Menschen zum Ausdruck bringen, dass sie sich gerade ausschütten vor Lachen.
Das halbweltliche Flair, das der Name Lola aus der deutschen Filmgeschichte mit sich führt, sieht man den Statuen auch nicht mehr an. Neben den berühmten Kollegen Oscar aus Los Angeles und César aus Paris ist die Lola gleichsam die Gleichstellungs­beauftragte unter den Film­preisen, und mit jeder neuen ­Zeremonie wird sie ein bisschen näher an das Ideal herangeführt, gleichberechtigt auch an Aura und Geschichte zu werden, ungefähr so auf Augenhöhe mit dem Oscar, wie neulich der Präsident mit der Tolle der Kanzlerin mit dem überwundenen Topfhaarschnitt gegenübertrat. Er verweigerte den Handschlag, weil es ihm an der dazugehörigen Qualität fehlt.
Jetzt fehlt bloß noch das Dekret, mit dem die Oscars in Donalds umbenannt werden. Dann hätten die Lolas nämlich einen Tradi­tionsvorsprung, den Hollywood nie wieder einholen kann.

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