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Hinter den Kulissen von „Tron Legacy“

Tron Legacy

Während den ganzen Tag lang essbare Schnittchen von PR-Damen in „Tron“-Bodysuits gereicht werden, berichten auch Produktionsdesigner Darren Gilford, Kostümdesigner Michael Wilkinson oder Effekte-Supervisor Alex Burdett von Dreharbeiten, die weit mehr als herkömmliche Produktionen nur als Summe ihrer künstlerischen Komponenten zum Ziel führen. Man könnte an dieser Stelle allerlei aus dem tricktechnischen Nähkästchen berichten – von einem Helm mit 52 Kameras, der es erlaubt, die Mimik des alten Bridges auf sein jüngeres Selbst zu übertragen. Von Architekten, die eine komplette Computerstadt konzipierten und kartografierten, ohne dass sie im Film annähernd in allen Winkeln zu sehen wäre. Oder von der Einbindung des Elektro-Duos Daft Punk in den Dreh, weil es später keinen Schnitt geben sollte, der nicht auch exakt auf einen pulsierenden Beat abgestimmt wäre.
Einige Sequenzen führt Debütregisseur Joseph Kosinski zwischendurch im Privatkino von Digital Domain vor. Er wirkt nervös, markiert unfertige Bildausschnitte mit omnipräsentem Laserstift und verspricht Perfektionismus, wo das bloße Zuschauerauge keine Makel in kühnen Bildkompositionen voller futuristischer Gladiatoren erkennen kann. Wochen später fällt einem diese Vorführung wieder ein, als sich der junge Brite Gareth Edwards anlässlich seines Erstlings „Monsters“ laut darüber wundert, dass bei Hollywood-Filmen ein sündhaft teurer „Perfektionsfetischismus“ herrsche, dem Zutaten wie der Plot oder die Figuren gern untergeordnet werden. Auch die Verantwortlichen von „Tron Legacy“ mussten sich bei der US-Premiere die Kritik gefallen lassen, mal wieder die Form über den Inhalt gestellt zu haben.
Tron LegacyDoch ungeachtet des Endproduktes markiert „Tron Legacy“ zweifellos einen neuerlichen Quantensprung des Digitalkinos. Noch nie wurde so viel Geld für ein Experiment zur Verfügung gestellt, das zudem kreativen Köpfen Einlass in die Filmwelt ermöglicht, die man vorher höchstens als Grafiker für Videospiele heuerte. Selbst das Zielpublikum wurde von Beginn an eingebunden, als bei der Fachmesse Comicon vor drei Jahren eine „Tron“-Testsequenz gezeigt wurde, ohne deren Erfolg der Film nie finanziert worden wäre. „Das war der Startschuss“, so Kosinski, „um ein Team zusammenzustellen, das es so noch nie gab. Die Idee war nicht nur, spektakuläre Unterhaltung zu liefern. Wir wollten die besten Köpfe aus allen Bereichen visueller Gestaltung zusammenbringen, um gemeinsam das Kino des 21. Jahrhunderts ein Stück nach vorn zu bringen. Wie unsere Einflüsse am Ende harmonieren, sehen wir selbst erst beim fertigen Film, das macht das Puzzeln so nervenaufreibend. Aber ich kann garantieren, dass keine einzige Entscheidung von einem Computer getroffen wurde. Von traditionellen Filmemachern unterscheidet uns nur, dass wir wesentlich seltener das Tageslicht sehen.“

Text: Roland Huschke

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Lesen Sie hier die Filmkritik: „Tron Legacy“ im Kino in Berlin

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