Filmgeschichte

„Hitlers Hollywood“ im Kino

Der alte Hut: „Hitlers Hollywood“ analysiert nichts wirklich Neues

Foto: Farbfilm

Der große Rundumschlag in Sachen Kino der NS-Zeit: die wichtigsten Genres, Filme, Regisseure und Stars in 105 Minuten – ein inhalt­licher und ästhetischer Kraftakt. Rüdiger Suchsland, Filmjournalist, Autor und Regisseur, geht seine Herkules-Aufgabe mit einigem Anspruch an: Einen neuen und frischen Blick werde er auf die Filme werfen, die, so wird immer wieder betont, „etwas wissen, was wir nicht wissen“. Soll heißen: Sie können uns Auskunft geben über das Leben, die Bedürfnisse, die Träume der Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Kann Suchsland den Nazi-Filmen also ein ­lange gehütetes Geheimnis entreißen? Eher nicht. Denn seine Idee, Filme vor dem Hintergrund ihrer Produktionsbedingungen zu interpretieren, ist lediglich der alte ideologiekritische Hut: Dass es im Rahmen der staatlich kontrollierten NS-Filmproduktion keine „unpolitischen“ Filme gab, ist seit mindestens 40 Jahren Konsens. Der wirkliche Fehler des Films liegt aber in der Gleichsetzung zwischen den vermuteten Intentionen der Filmemacher und der Rezeption des Publikums, die hier in keiner Weise belegt wird. Wer hat sich damals eigentlich was angeguckt, und was haben die Leute darüber gedacht? Das klärt auch dieser Dokumentarfilm nicht. Allenfalls funktioniert „Hitlers Hollywood“ als eine kompakte Einführung in das Thema, ein dichtgedrängtes Programm, in dem man mit den gegebenen Interpretationen nicht immer einverstanden sein muss.

Hitlers Hollywood D 2017, 105 Min., R: Rüdiger Suchsland, Start: 23.2.

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