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„The Hole“ von Joe Dante

The Hole

Mit seinem größten Kinohit „Gremlins“ gelang Joe Dante 1984 eine Horror-Farce mit kulturkritischem Hintersinn, aber der Regisseur fühlt sich auch mit jeder anderen Genre-Variante wohl. Die Gespenstergeschichte „The Hole“, 2009 in Venedig als „Bester 3-D Film“ ausgezeichnet, gibt der Handlung – drei Teenager werden von Spukgestalten terrorisiert – einen tiefenpsychologischen Hintergrund: Ein scheinbar bodenloser Schacht unter dem Fundament eines Gebäudes wird zur Metapher für das menschliche Unterbewusstsein, die Gespenster erscheinen als Materialisierung verdrängter Traumata. Versiert setzt Dante zunächst allerlei bekannte Genremotive und Schockmomente ein, um sanften Schrecken auszulösen: das verwunschene Haus, wiederauferstandene Tote, eine zum Leben erwachte Horrorpuppe, Nebelschwaden, in denen Dämonen lauern –  alles wohldosiert und stilsicher eingesetzt, ohne Blutfontänen oder andere grelle Effekte.
Gegen Ende bekommt der bis dahin mit soliden Darstellern konventionell und ohne viel Komik inszenierte Gruselfilm noch eine surreale Dimension mit alptraumhaften Szenenbildern, die an Stummfilmklassiker erinnern. Bizarr schräge Kulissen lassen an Robert Wienes „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) denken, einmal erscheint gar der Name Orlac im Bild, ein Verweis auf „Orlacs Hände“ (1924) von Robert Wiene.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Annehmbar

The Hole, USA 2009; Regie Joe Dante; Länge: 88 Minuten; Extras: Making of, Interviews Cast & Crew, Arbeiten mit 3 D am Set, Trailer. Ascot Elite

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