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„Holidays By The Sea“ im Kino

Holidays by the Sea

Frankreich im Ferienmonat August: Traditionell bedeutet das verwaiste Großstädte, plötzlich überfüllte Fischerdörfchen und militärisch straff geführte Campingplätze, auf denen man sich am frühen Abend gegenseitig zum Apйro einlädt. Es ist diese anrührend altmodische Welt, in der der Urlaub noch nicht mit Wellness oder Abenteuer aufgejazzt werden musste, der Jacques­ Tati vor 60 Jahren mit den „Ferien des M. Hulot“ ein Denkmal gesetzt hat. Regisseur Pascal Rabatй versucht, mit „Holidays by the Sea“ daran anzuknüpfen und schafft eine sanfte Modernisierung, in der Mobiltelefone, gesichtslose Neuwagen und Strichcodes ihren sinnvollen Platz finden.
Doch die Tati-Latte liegt hoch – und der Film scheint sich dessen allzu bewusst zu sein und reagiert mit inszenatorischem Übereifer und motivischer Fahrigkeit, die bei diesem Subgenre der dialoglosen Situationskomödie empfindlich stören. Es wird kein Skurrilitätskandidat ausgelassen, von der Kleinstadtbeerdigung nebst Einäscherung über S/M-Sex bis zum Nudistencamp. Doch all die schrulligen Figuren tragen ihr Geheimnis wie eine Trophäe vor sich her, und auch der Verzicht auf Sprache wirkt letztlich nur wie eine beliebige Spielregel.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Movienet Film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Holiday by the Sea“ im Kino in Berlin

Holidays by the Sea, Frankreich 2011; Regie: Pascal Rabatй; Darsteller: Jacques Gamblin (Monsieur Drachensteiger), Maria de Medeiros (Madame Halskette), François Damiens (Monsieur Erdbeere); 77 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 5. Juli

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