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„Hotel Lux“ im Kino

Hotel Lux

Die Betten waren verwanzt. Und Ratten huschten durch die Zimmer. Und doch war das Moskauer Hotel Lux in den dreißiger Jahren unter anderem Herberge für so manch schillernde Figur der politischen Weltgeschichte, von denen wie Herbert Wehner, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht viele aus Deutschland dorthin geflohen waren. Dieses damalige Gästehaus der Kommunistischen Internationale war allerdings nicht nur Zufluchtsort, sondern für manchen Gast auch die Endstation. Denn während der „Säuberungen“ unter Stalin wurden viele Gäste als Gegner und (vermeintliche) Oppositio­nelle festgenommen, verhört, deportiert und hingerichtet.
Für seine Geschichte über dieses dunkle Kapitel an diesem legendären Ort hat sich Leander Haußmann – unter anderem durch „Sonnenallee“ und „NVA“ erfahren mit klamaukhaften Annäherungen an die deutsch-deutsche Geschichte – aus dem Hotelfundus an historischen Begebenheiten, Mythen und Halbwahrheiten bedient und daraus eine Komödie gemacht. Diese wird aus der Perspektive des deutschen Komikers Hans Zeisig (Michael Herbig) erzählt. Der völlig unpolitische Schauspieler, der zu Beginn allabendlich mit dem Hitler-Parodisten Siggi Meyer (Jürgen Vogel) als Josef Stalin auf einer Berliner Varietй-Bühne steht, träumt von einer Hollywood-Karriere. Stattdessen ist er mit gefälschten Papieren im von unheilvollen Wolken verhangenen Moskau in dieses Exilanten-Hotel geraten, wo er von Stalin fälschlicherweise für den Astrologen Adolf Hitlers gehalten wird.
Die Frage, ob man über Diktatoren und Terror lachen darf, wurde im Kino schon oft mit einem schallenden Ja beantwortet: von Charlie Chaplin bis Ernst Lubitsch. Zu Stalin, obwohl der parodistisch längst nicht so erschlossen ist wie das deutsche Pendant, fällt Haußmann allerdings nicht viel ein: Als dauersaufender Mörder wird er wie die zahlreichen Vertreter deutscher Genossenprominenz zur einfallslosen Karikatur reduziert.
Auch darüber hinaus lässt „Hotel Lux“ ätzende Satire und jeden doppelbödigen Witz vermissen. In belangloser Harmlosigkeit schleppt sich die Geschichte stattdessen zäh, ohne Raffinesse und komödiantisches Timing durch das finster-geheimnisvolle Korridorlabyrinth des Hotels. Immerhin Michael Herbig überrascht damit, dass er als Schauspieler die Bully-Comedy-Persona weitestgehend hinter sich lässt. Der Film selbst, der seine Hauptantriebe aus dem Spiel um falsche Identitäten und Verwechslungen bezieht, bleibt unverbindlich: als Komödie, die nicht komisch ist, als Satire mit künstlichem Gebiss und als Historienspaß, der in seiner anheimelnden Altmodischkeit aussieht wie ein Klassiker, aber zusehends in sich zusammenfällt.

Text: Sascha Rettig

Foto: Stephan Rabold / Bavaria Pictures

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „Hotel Lux“ im Kino in Berlin

Hotel Lux, Deutschland 2011; Regie: Leander Haußmann; Darsteller: Michael Bully Herbig (Hans Zeisig), Jürgen Vogel (Siggi Meyer), Thekla Reuten (Frida van Oorten); 103 Minuten; FSK 12

Kinostart: 27. Oktober

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