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„Huhn mit Pflaumen“ im Kino

Huhn mit Pflaumen

Seit Marjane Satrapi im Jahr 2000 den ersten Band ihres autobiografischen Comics „Persepolis“ vorlegte, ist die Exil-Iranerin weltweit für ihre Graphic Novels berühmt: „Persepolis“ wurde in rund 25 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. In Deutschland, wo wir kaum eine Tradition von Comics für Erwachsene haben, kennt man sie spätestens seit der Realisierung von „Persepolis“ als Animationsfilm, den Satrapi 2007 gemeinsam mit dem Comic-Künstler Vincent Paronnaud (Künstlername: Winschluss) inszenierte und der bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis der Jury gewann. „Persepolis“ ist ein wunderbarer Film, weil er – neben der kraftvollen, weil eher simplen grafischen Gestaltung – auf so vielen Ebenen funktioniert: als persönliche Schilderung der Kindheit und Jugend eines aufgeweckten und aufmüpfigen Mädchens im Iran der Mullahs, als „Frauenfilm“ ebenso wie als Politsatire und als Film über das Gefühl, sich überall fremd zu fühlen, im eigenen Land genauso wie im Exil.
Für ihren zweiten Film „Huhn mit Pflaumen“ haben sich Satrapi und Paronnaud nun erneut einen Comic der Künstlerin vorgenommen, wagen sich jedoch erstmals an eine Realverfilmung, die mit vornehmlich französischer Besetzung im Studio Babelsberg realisiert wurde. Und so sehr man es zu schätzen weiß, dass sich hier niemand auf einem einmal eingeschlagenen erfolgreichen Weg auszuruhen gedenkt, lässt „Huhn mit Pflaumen“ doch so einige Fragen offen. An die Stelle des Einfachen ist nun eine, vom Schicksal eines entfernten Onkels inspirierte, überladene Second-Hand-Märchen-Orientalistik getreten, und die enorme Direktheit, die eigentlich Satrapis Stil prägt, ging dabei weitgehend verloren. Der Film besitzt kein Zentrum, er kreist um eine seltsame Leere und reiht in der Geschichte um einen persischen Geiger (Mathieu Amalric) und die Auswirkungen, die eine verlorene, große Liebe auf seine Inspiration hat, oftmals beziehungslose Vignetten um Erinnerungen, Träume und Parabeln aneinander. Gute Schauspieler (Amalric, Chiara Mastroianni, Isabella Rossellini) und einige wenige attraktive Animationssequenzen (deren Stilisierung aufzeigt, dass Animation wohl generell die bessere Wahl gewesen wäre) können das nur bedingt auffangen.

Text: Lars Penning

Foto: Prokino Filmverleih

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Huhn mit Pflaumen“ im Kino in Berlin

Huhn mit Pflaumen (Poulet aux Prunes), Frankreich/Deutschland/Belgien 2011; Regie: Marjane Satrapi & Vincent Paronnaud; Darsteller: Mathieu Amalric (Nasser-Ali), Edouard Baer (Azraël), Maria de Medeiros (Faringuisse); 91 Minuten; FSK 12

Kinostart: 5. Januar

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