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„Hustler White“ von Bruce de la Bruce

Hustler WhiteSoviel zur Handlung des Films, die La Bruces einziges Zugeständnis an den Mainstream ist. Denn im Grunde erscheint „Hustler White“ als eine Hommage an Tony Ward, der Mitte der 1990er Jahre seinen Bekanntheitszenit als Lover Madonnas erreicht hatte und mit seinem öligen Charme, seiner sexuellen Ambivalenz und Freizügigkeit zum Supermodel und Darling der Gay-Community avancierte.
Als begehrter Strichjunge ist Ward in „Hustler White“ die perfekte Besetzung: muskulös, verschlagen, witzig und berückend schön verdreht er sowohl seiner Kundschaft als auch Bruce La Bruce als Schriftsteller Jürgen Anger (ein Verweis auf Kenneth Anger, das Enfant terrible Hollywoods) den Kopf. Wir begleiten ihn unter der gnadenlosen Sonne Kaliforniens durch Los Angeles, das wie ein immerfeuchtes Biotop sexueller Blüten wirkt, bei seinem langweiligen bis bizarren Alltag als Callboy zwischen Kunden, bei Pausenjobs als Fluffer oder in seiner Rolle als liebevoller Vater eines kleinen Kindes. Gleichzeitig zeigt La Bruce alle Arten sexueller Möglichkeiten von Gang Bang bis Bondage, ohne den Zuschauer zum Voyeur zu machen.
„Hustler White“ ist trotz des bedrückenden Milieus ein wunderbar leichter Film, dessen Humor ein Gefühl der Entfremdung verhindert, das man eventuell empfinden könnte, wenn ein Leichenbeschauer als Frau verkleidet (in einer Nebenrolle: der amerikanische Extrem-Performance-Künstler Ron Athey) einen Strichjungen in Frischhaltefolie wickelt, um ihn dann umzubringen. „Hustler White“ ist Pop. Andy Warhol hätte ihn geliebt.

Text: Marcus Weingärtner

tip-Bewertung: sehenswert

Hustler White, Deutschland/Kanada 1996; R: Bruce La Bruce; D: Bruce La Bruce, Tony Ward, Ron Athey; 79 Minuten. Erschienen bei GM Films

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