Filmessay

„I Am Not Your Negro“ im Kino

Ein James Baldwin für heute: „I Am Not Your Negro“ ist deutlich mehr als nur eine Geschichtsstunde in ­Sachen Rassismus

Foto: Salzgeber

James Baldwin war einer der wichtigsten afroamerikanischen Schriftsteller und Intellektuellen, obwohl er große Teile seines Lebens in Frankreich zubrachte, wo er 1987 auch starb. Dass er nicht zuletzt ein großartiger Redner und öffentlicher Sprecher war, erfahren wir nun aus dem Dokumentarfilm „I Am Not Your ­Negro“, mit dem der aus Haiti stammende dffb-­Absolvent Raoul Peck („Der junge Karl Marx“) ­versucht, ein Vermächtnis von Baldwin für die heutige Zeit herauszuarbeiten.
Er geht dabei von einem unvollendeten Text aus: ­„Remember This House“, hier gelesen von Samuel L. Jackson. Baldwin beschäftigte sich darin mit Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King, also mit bedeutenden Figuren der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, die alle Opfer von Attentaten wurden. Daraus ergibt sich sowohl so etwas wie eine ­Geschichtsstunde wie auch eine teilweise Autobiografie, für die Peck auf eine Menge sehr interessantes Archivmaterial zurückgreifen konnte.
Der Bogen wird aber bis in die Gegenwart gespannt, denn „I Am Not Your Negro“ kann die Augen vor den Auseinandersetzungen der letzten Jahre nicht verschließen, die zu der Gründung neuer bürgerrecht­licher Bewegungen wie „Black Lives Matter“ geführt haben.
Offensichtlich geht es dem Regisseur darum, einen Baldwin für die heutige Zeit vorzustellen: dessen schneidende Analysen und sein selbstbewusster, dandyesker Habitus vermitteln sich hier zu einem kraftvollen Statement in einer Situation des wieder erstarkenden Rassismus.

I Am Not Your Negro F/USA/B/CH 2016, 93 Min., R: Raoul Peck, Start: 30.3.

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