Kino & Stream

„I Am A Woman Now“ im Kino

I Am A Woman Now

Wer sich in den Sechzigerjahren zu einer Geschlechtsumwandlung entschloss, riskierte viel: Abgesehen von der persönlichen Dimension zählte die blutige Prozedur auch kaum zum chirurgischen Repertoire. In seiner Doku porträtiert Filmemacher Michiel van Erp vier alte Damen, die sich in jungen Jahren zu einem Arzt und Transgender-Pionier nach Casablanca aufmachten. In Interviews blicken sie auf die lebensverändernde Entscheidung zurück. Dankbares Selbstbewusstsein und solidarisches Mitgefühl für „die Schwestern im Geiste“ wie es die als Junge geborene grazile Belgierin Corinne formuliert, vermischt sich mit dem Gefühl der Scheu und dem Verlangen nach einem bürgerlichen Leben. Bei der Deutschen Jean führte die Liebe dazu, zwischenzeitig wieder als Mann zu leben – eine Art „Selbstmord“ wie sie bekennt. Dem gegenüber stehen die liebenswert eitlen Erscheinungsbilder der Frauen sowie die Lebenslust, die sich im Archivmaterial aus Zeiten als Travestie- und Showstars in den Sechzigern überträgt. Feinfühlig erzählt der Film von der Courage, die eine Identitätsfindung abseits der Norm erfordert.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Neue Visionen

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „I Am A Woman Now“ im Kino in Berlin

I Am A Woman Now, Niederlande 2011; Regie: Michiel van Erp; 86 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 18. April

Mehr über Cookies erfahren