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I Got You On Tape im Comet Club

I Got You On Tape

Von vereinzelten Volltreffern abgesehen (siehe The Raveonettes) waren unsere nördlichen Nachbarn höchstens mal für ein Feuerwerk guter Laune zum Stimmungshit-Abend gut (siehe D-A-D., Junior Senior, Aqua). Doch jetzt sieht es anders aus, die Dänen haben aufgeholt. In fast allen gängigen Genres sind konkurrenzfähige Künstler zu Hause, die ihre Eigenheiten pflegen. Zu ihnen zählt die Band I Got You On Tape, die eine sehr unaufgeregte Art an sich hat. Dabei müsste sie eigentlich richtig Alarm machen, aus Frustration, weil sie neun Jahre nach ihrer Gründung im Ausland immer noch als Geheimtipp gilt. Aber das liegt offenbar nicht in der Natur von Sänger und Keyboarder Jacob Bellens und seinen drei Mitstreitern. Auch auf dem aktuellen Album „Church of The Real“ greifen sie zu subtilen Mitteln. Es gibt Songs, in denen eine Stimmung wie beim Trauermarsch angedeutet wird, aber niemals auf verbissene Art. Eine Vorliebe für die Elektro-Grundierungen ihrer Landsleute von Who Made Who ist auch nicht zu überhören, sie fügt sich sehr geschmeidig ins Gesamtbild ein. Wenn sie überdies mal den Vocoder benutzen, ist das kein Verzweiflungsakt, sondern für den entsprechenden Song genau der richtige Zusatz.
I Got You On Tape bringen Rock und elektronische Elemente immer sinnvoll zusammen. Sympathisch ist Bellens auch als Typ. Der Regel, dass ein Sänger auch immer Blickfang sein muss, widersetzt er sich mit korpulenterem Umfang, Billig-Brille und Kuschelbär-Ausstrahlung. In Dänemark findet man das gut.

Text: Thomas Weiland

Foto: I Got You On Tape

I Got You On Tape, Comet Club, Mi 16.1., 21 Uhr, VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr

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