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„I Love You Phillip Morris“ im Kino

Ein Polizist – verheiratet, ein Kind – sagt Nein zur Lebenslüge. Er zelebriert sein Coming-Out und vertraut sich dem neuen Hedonismus an. Weil das schwule Leben aber, wenigstens in seiner Variante, recht kostspielig ausfällt, sieht er sich bald gezwungen, in kleine und größere Straftaten auszuweichen. Da trifft es sich dann gut, dass in den Gefängnissen, in die er überstellt wird, das homosexuelle Savoir vivre auch nicht gerade klein geschrieben wird. Einer Karriere an der Seite seines Traummanns steht nach der Entlassung nicht viel im Weg.
Das Erstaunlichste an diesem Film sind die Namen seiner Hauptdarsteller: Jim Carrey und Ewan McGregor als Stars einer schwulen Romantic Comedy? Angesichts eines solchen High-Con­cept-Unternehmens ist „I Love You Phillip Morris“ reichlich konventionell geraten. Hysterie-Superstar Carrey absolviert seinen Part (für seine Verhält­nisse) bemerkenswert gedämpft, und das Regie-Debütantenduo John Requa und Glenn Ficarra beugt sich den Funktionalitäts-Anforderungen des industriellen US-Kinos. So versandet „I Love You Phillip Morris“ schnell in der bloß guten Laune Carreys, die stets Substanzielleres oder Eklatanteres zu versprechen scheint, wovon aber bis zuletzt nichts zu bemerken ist.
Als „I Love You Phillip Morris“ vor einem Jahr in Cannes seine Weltpremiere feierte, betonte Carrey in einer Art Vorrede ganz ernsthaft, wie nah ihm dieser Film sei und dass er ihn, wie die „Truman Show“, zu seinen wichtigsten Arbeiten zähle. Die Produktion, die danach zu sehen war, konnte dieser Vorabwerbung nicht gerecht werden.
„I Love You Phillip Morris“ ist eine durchaus nette, gemütlich dahinplätschernde Krimikomödie geworden: eine unaufwendig produzierte Schwulenromanze mit Farce-Charakter, ein Werk, das sich offensichtlich selbst gefällt – als genügte es schon, das matt gewordene Hetero-Genre einfach auf schwul zu drehen und noch einmal durchzu­spielen. Aber vielleicht ist die
eigentliche Subversion dieses Films ja seine Selbstverständlichkeit, die allerdings, man muss es sagen, bisweilen zart in die Langeweile lappt.

Text: Stefan Grissemann

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „I Love You Phillip Morris“ im Kino in Berlin

I Love You Phillip Morris, USA 2009; Regie: Glenn Ficarra und John Requa; Darsteller: Jim Carrey (Steven Russell), Ewan McGregor (Phillip Morris), Leslie Mann (Debbie Russell); Farbe, 97 Minuten

Kinostart: 29. April

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