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„I Phone You“ im Kino

I_Phone_YouIn Chongquing, so erfährt man in diesem Film, wird den Chinesen das Warten an der Ampel dadurch verkürzt, dass ein Countdown die Sekunden zählt, bis sie auf Grün umspringt. Ein Alltagsdetail, das einem Einheimischen nicht ins Auge fällt, wohl aber einem Fremden. Aber wessen fremder Blick ist es? Der des deutschen Drehbuchautors Wolfgang Kohlhaase oder der chinesischen Regisseurin Dan Tang, die in Potsdam, Berlin und Kassel studiert hat? Gemeinsam erzählen sie von Ling, die von  Yu, ihrem Geliebten für eine Nacht, ein iPhone erhält, damit sie ständig in Verbindung bleiben können, nachdem er zu seiner Firma in Berlin zurückgekehrt ist. Doch bald genügt ihr das nicht mehr, und sie reist ihm nach. Vertrauen wir uns ruhig der Wahrscheinlichkeit an, dass es der Blick Kohlhaases ist, der uns nun Berlin als ein putzig multikulturelles Pflaster entdecken lässt. Schließlich fügt sich Ling nahtlos in seine Galerie patenter und wehrhaft unternehmungslustiger Frauen ein, um die er Liebesfilme entwickelt, die ihn als raffinierten Dialogautor und Konstrukteur leichtfüßiger Wehmut ausweisen.

Text: Gerhard Midding

Foto: Steffen Junghans

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „I Phone You“ im Kino in Berlin

I Phone You Deutschland/China 2011; Regie: Dan Tang; Darsteller: Jiang Yiyan (Ling), Florian Lukas (Marco), David Wu (Yu Guanhao); 95 Minuten; FSK 6

Kinostart: 26. Mai

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