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„I Used To Be Darker“ im Kino

I Used to be Darker

Die 19 Jahre alte Taryn hat sich einen schlechten Zeitpunkt für ihren Besuch bei ihrer Cousine Abby in Baltimore ausgesucht. Denn da geht gerade eine Familie in die Brüche. Kim zieht aus, ihr Mann Bill bleibt verbittert zurück. Beide sind Musiker, nun wird der Keller, in dem Schlagzeug und Verstärker standen, leer geräumt. Für Bill bleibt nur noch, ein trauriges Lied zu singen und dann die Gitarre zu zertrümmern. Taryn, von der ihre in Nordirland lebenden Eltern glauben, sie wäre in Wales, hat auch Probleme: Sie ist schwanger von einem Strandflirt in Amerika, der Junge weiß von nichts, für ihn war das offensichtlich nichts Ernstes mit Taryn. Abby, die zwischendurch einmal zu einem Vorsprechen in einem Theater in New York fährt, ist wütend auf Kim. Und so ist in Matt Porterfields „I Used to Be Darker“ niemand wirklich zufrieden oder im Gleichgewicht.
Im Gegenteil erzählt der ganze Film von einer Phase des Übergangs, von der Fragilität der Verhältnisse, und er tut dies mit den Motiven und in der freien Form, die schon „Hamilton“ und „Putty Hill“ ausgezeichnet hatten, die beiden exzellenten, früheren Arbeiten des jungen amerikanischen Regisseurs. Porterfield ist ein Chronist der Vororte von Baltimore, er interessiert sich nicht so sehr für die Drogenquartiere, die in der Fernsehserie „The Wire“ so prominent vorkamen, sondern für den Alltag einer improvisierenden unteren Mittelklasse, die in diesem Fall auch so etwas wie eine Folk-Boheme enthält. Kim Taylor und Ned Oldham spielen das zerstrittene Ehepaar, zwei charismatische Figuren, die auch über die Musik nicht mehr zueinanderfinden. Deragh Campbell und Hannah Gross sind die Teenager. Porterfield erzählt beiläufig und undramatisch, er steigt einfach an einer Stelle in ein offenes Geschehen ein und an einer späteren wieder aus. Dazwischen gibt es viele Momente von verhaltender Intensität und immer wieder Andeutungen auch von Freiheit und Spiel. Mit „I Used to Be Darker“ bestätigt sich Matt Porterfield als einer der wichtigsten unabhängigen amerikanischen Filmemacher.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

tip-Bewertuing: Sehenswert

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I Used to be Darker, ?USA 2013; Regie: Matt Porterfield; Darsteller: Deragh Campbell (Taryn), Hannah Gross (Abby), Ned Oldham (Bill); 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 9. Januar

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