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„Ich bin dann mal weg“ im Kino

Ich bin dann mal weg

Nur so lässt sich der Erfolg von Hape Kerkelings Pilger-Bestseller „Ich bin dann mal weg“ (5 Millionen verkaufte Exemplare in Deutschland, gerade als Taschenbuch neu aufgelegt vom Piper Verlag) über seinen Fußmarsch auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostella erklären, obwohl in seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen nur wenig passiert: Da hat sich einer stellvertretend für den Leser aus seinem hektischen Alltagsleben ausgeklinkt, um sich in Ruhe selbst zu finden und in Begegnungen mit anderen Pilgern neue Erfahrungen zu machen.
Verfilmen lassen sich spirituelle Erfahrungen allerdings naturgemäß nicht so toll, und dass es fast zehn Jahre gedauert hat bis Kerkelings Wandererlebnisse mit Devid Striesow in der Hauptrolle jetzt auf die Leinwand kommen, ist kein gutes Zeichen. Möchte man wirklich zwei Stunden lang einen monologisierenden Wanderer mit albernem Sonnenhut durch die Gegend latschen sehen?
Um es vorwegzunehmen: Es funktioniert auch nicht. Schon das Buch ist nicht gerade ein funkelndes Juwel voller tiefer Weisheiten, doch der Film schafft es gnadenlos, die noch halbwegs interessanten Aspekte (positive und negative Erlebnisse mit verschiedenen Menschen aus aller Welt und die dazu notwendige Vielsprachigkeit) zu eliminieren und stattdessen lauter banale Belanglosigkeiten herauszuarbeiten. Treu deutsch spricht man in Spaniens Pampa deutsch, die diversen Frauen, denen Kerkeling im Buch begegnet, sind in lediglich zwei uninteressanten Figuren komprimiert, die negativen Erfahrungen und Begegnungen werden gleich ganz weggelassen. Gelegentlich macht der Film einen kleinen Scherz, doch bitte bloß nicht zu heftig, denn das könnte ja die Gottsuche kompromittieren. Denn um Gott geht es ja beim Pilgern irgendwie auch, hier ist er ein weggeflogener Hut, was zumindest den Einfallsreichtum des Films treffend versinnbildlicht. Erkenntnis des Tages: Das Pilgern ist hier so spannend wie ein Spaziergang von Ludwigshafen nach Mannheim und ungefähr ebenso spirituell.

Text: Lars Penning

Foto: 2015 Warner Bros. Ent.

Orte und Zeiten: „Ich bin dann mal weg“ im Kino in Berlin

Ich bin dann mal weg, Deutschland 2015; Regie: Julia von Heinz; Darsteller: Devid Striesow (Hape), Martina Gedeck (Stella), Karoline Schuch (Lena); 92 Minuten

Kinostart: Do, 24. Dezember 2015

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg. Piper, 356 S., 9,99 Euro

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