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Ich gehe jetzt rein

Ein Novembervormittag in Kreuzberg, Aysun Bademsoy betritt das Cafй, in dem wir zum In­terview verabredet sind, klein, wohlgeordnet und charmant, und posiert erst mal geduldig eine Viertelstunde für den tip-Fotografen, von dem dabei ermunternde Zurufe kommen. Bademsoy fühlt sich ganz offensichtlich vor und hinter der Kamera wohl. Sie stammt aus einer Schauspielerfamilie, sowohl ihre Mutter Sabahat als auch ihr Bruder Tayfun sind bekannte Akteure, auch sie hat als Kind und später noch als Studentin in Filmen mitgewirkt. Seit Jahren steht sie nun aber hinter der Kamera, als Regisseurin dokumentarischer Filme über die deutsch-türkische Gegenwart.

So auch in ihrer Dokumentation „Ich gehe jetzt rein„. Es ist der dritte Film, den Bademsoy einer Gruppe von fünf jungen Berliner Türkinnen gewidmet hat, die sie seit Mitte der 90er Jahre begleitet. Damals waren Safiye, Arzu, Türkan, Nalan und Nazan noch Teenager und spielten bei Agrispor, der ersten türkischen Frauenfußballmannschaft in Europa. So entstanden „Mädchen am Ball“ (1995) und „Nach dem Spiel“ (1997), die die Fußballleidenschaft der jungen Migrantinnen zeigten, aber vor allem auch ihrer Lebenssitua­tion nachspürten zwischen jugendlichem Enthusiasmus, Freiheitswillen und traditionellen Erwartungen. Jetzt, mehr als zehn Jahre später, hat Bademsoy die jungen Frauen nochmals gefilmt und nachgefragt, was aus den Träumen und der Aufbruchsstimmung von damals geworden ist.

Herausgekommen ist ein melancholischer Film ohne Erfolgsgeschichten. Bademsoy hat Ausschnitte aus den Vorgängerfilmen hineinmontiert, und Welten scheinen die erwachsenen Frauen von heute von den sorglosen Mädchen von damals zu trennen. Nur Safiye spielt noch Fußball und macht ihren Weg als Trainerin; keine hat eine abgeschlossene Ausbildung oder steht fest im Berufsleben, alle erzählen von schweren Jahren und harten Schicksalsschlägen.

„Ich wollte sehen, in welche Richtung das Leben dieser Frauen gegangen ist“, sagt Bademsoy. „Ich finde das wahnsinnig interessant, wie schwierig eine Definition von Identität für diese Generation nach wie vor ist.“ Nicht ohne Bitterkeit stellt Türkan gleich zu Beginn des Films fest, dass, egal wie sehr sie sich hier zu Hause fühle, sie doch immer wieder als Türkin wahrgenommen und darauf festgelegt werde. „Ich gehe jetzt rein“ handelt von den spezifischen Probleme der Frauen aus dieser Generation, deren erster Aufbruchsversuch nicht vollständig geklappt hat, die aber jetzt, um die 30, nochmals einen Anlauf nehmen, gescheiterte Ehen hinter sich lassen, Weiterbildungen machen, eine neue Fußballmannschaft aufbauen, einen Marathon laufen. …

Den ganzen Artikel der tip-Autorin Catherine Newmark lesen sie in der aktuellen Ausgabe 24/08.


Ich gehe jetzt rein
Deutschland 2008; Regie: Aysun Bademsoy

Kinostart: 20. November 2008

Vorstellung mit der Regisseurin und den Darstellerinnen im fsk-Kino am Oranienplatz, am 21.11.08, Beginn 20 Uhr

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