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„Ich & Orson Welles“ im Kino

Ich und Orson Welles

Das immense Talent von Orson Welles zeigte sich schon früh. Vier Jahre vor seinem Durchbruch mit dem Film „Citizen Kane“, einem der großen Klassiker des amerikanischen Kinos (und ein Jahr vor seiner Hörspielfassung von „Der Krieg der Welten“, mit der er einen Teil seiner amerikanischen Hörerschaft in Panik versetzte), machte Welles in der New Yorker Theaterwelt auf sich aufmerksam: Seine Inszenierung von Shakespeares „Julius Caesar“ versah er 1937 in New York mit aktuellen Bezügen zum italienischen Faschismus, 22 Jahre war er da alt.
„Ich & Orson Welles“ von Richard Linklater („Before Sunrise“) ist eine Hommage an das junge Genie im Besonderen und an das Theater im Allgemeinen. Dabei wirft der Film einen Blick hinter die Kulissen – wobei Welles allerdings nicht immer gut wegkommt. Das „Ich“ des Titels, das ist der 17-jährige Schüler Richard Samuels, der eines Tages zufällig am Mercury Theater vorbeikommt und sogleich von Welles für eine kleine Rolle engagiert wird. Er bekommt einen hautnahen Eindruck von der Arbeit des Meisters, der um Kürzungen und eigenwillige Änderungen am Stück nie verlegen ist und die Sache finanziert, indem er zwischendurch ins Rundfunkstudio eilt, um in einem Live-Hörspiel mitzuwirken. Dass er für die Fahrt einen Ambulanzwagen benutzt, zeigt schon die Chuzpe dieses Mannes. Welles’ Genie duldet allerdings keinen Widerspruch. Wer den riskiert, ist schnell gefeuert, egal, ob es um Fragen der Inszenierung oder um Welles’ diktatorisches Verhalten im Privaten geht.
Linklater zeichnet den verheirateten Welles als Frauenheld erster Güte. Besonders ernüchternd ist für Richard, als er erfahren muss, dass auch die ihm wohl gesonne Regieassistentin Sonja Jones, mit der er schließlich eine Nacht verbringt, für ihre Karriere bereit ist, mit Welles ein Verhältnis einzugehen.
Mit seinen liebevoll im britischen Studio rekonstruierten Settings liefert Linklaters Film ein höchst ambivalentes Bild des großen Mannes, dem Christian McKay äußerlich und im Habitus erstaunlich ähnelt.
Dass Eddie Marsan (als John Houseman) und Claire Danes (als Sonja Jones) jeden Film sehenswert machen, weiß man, so bleibt als weitere erfreuliche Überraschung, dass sich auch Teenie-Star Zac Efron („High School Musical“) als Richard perfekt in das Ensemble einfügt.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ich und Orson Welles“ im Kino in Berlin

Ich und Orson Welles (Me And Orson Welles), Großbritannien 2008; Regie: Richard Linklater; Darsteller: Zac Efron (Richard Samuels), Christian McKay (Orson Welles), Claire Danes (Sonja Jones); 109 Minuten

Kinostart: 26. August

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