Kino & Stream

„Ich reise allein“ im Kino

Ich reise allein

Jarle Klepp verehrt Marcel Proust. Bedingungslos verliert er seine Zeit mit Schwadronieren, Denken, Saufen und Vögeln. Was man halt so tut als ahnungsloser Student. Im norwegischen Bergen 1997 unterscheidet sich deren Alltag wenig von dem hiesiger angehender Literaturwissenschaftler, allenfalls die Haare sind röter und die Körper bleicher. Auf Jarle warten jedoch echte Tauglichkeitsproben, als ihm das Ergebnis einer längst vergessenen bis zur Besinnungslosigkeit durchzechten Nacht nach Hause geschickt wird: Charlotte Isabel, prinzessinnenzarte 6 Jahre alt. Von ihrer Existenz wusste Jarle bislang nichts, doch ein Vaterschaftstest zerstreut jede Bedenken. Er hat eine Tochter, eine aufgeweckte noch dazu, trotz der Proletarier-Mutter, die sich an der Kasse eines Supermarkts verdingt. Als hätte ein nordischer Gott seine Welt erschüttert, taumelt Jarle in der Folge durch kleinere Krisen mit dem Fernziel einer gründlichen Läuterung. Die harmlose Komödie besticht zwar durch sympathische Charaktere und ironisch skizzierten Slang nebst eingebildeten Sinnkrisen eines Literaturstudenten, doch ihre Zielgruppe ist
deutlich unter 30.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Neue Visionen

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Ich reise allein“ im Kino in Berlin

Ich reise allein (Jeg reiser alene), Norwegen 2011; Regie: Stian Kristiansen; Darsteller: Rolf Kristian Larsen (Jarle Klepp), Amina Eleonora Bergrem (Charlotte Isabel Hansen), Pеl Sverre Valheim Hagen (Hasse Ognatun); 93 Minuten; FSK 0

Kinostart: 29. Dezember

Mehr über Cookies erfahren