Drama

„Ich wünsche Dir ein schönes Leben“ im Kino

Unsichtbare Linien ziehen sich durch den zweiten Spielfilm der 1966 in Seoul geborenen Ounie ­Lecomte

Foto: FilmKinoText

Er handelt von einer Zusammenführung und eben keinem Abschiedsgruß, wie der deutsche Titel vermuten lassen könnte. Die Begegnung hat mit Zufall zu tut, aber genauso mit einer Person, die sie aus voller Absicht sucht. Sie heißt Elisa Bérard (Céline Sallette) und hat mit ­ihrem zehnjährigen Sohn (Elyes Aguis) gerade Paris verlassen. Ziel ist die Hafenstadt Dunkerque im ­äußersten Norden Frankreichs. Hier befindet sich das Krankenhaus, in dem ihre Mutter sie nach der Geburt in den frühen 80ern zur Adoption freigegeben hat.
Elisa ist eine interessante Frau: fragil, drahtig, verschwiegen; eine Physiotherapeutin, die den ganzen Tag fremde Körper in den Armen hält, aber Distanz zu sich und ihrer Umwelt aufgebaut hat. Ein Kontrast, den Lecomte ohne viele Worte inszeniert. Ganze Sequenzen kommen ohne Dialoge aus, was nicht nur Céline Sallette zu verdanken ist, sondern auch Anne Benoit, die Annette ­Lefèvre spielt, eine Hilfskraft der Schule, die auch ­Elisas Sohn besucht. Der hat – während Elisas Praxis zur Begegnungsstätte zwischen den beiden Frauen wird – mit seinen eigenen Sorgen zu kämpfen: In der Schule ist er den Hänseleien der Mitschüler ausgesetzt, während in der Kantine Uneinigkeit ob seiner Religion besteht – legt man ihm nun Bratwürste oder doch besser Fisch auf den Teller? Denn obwohl beide Eltern französischer Herkunft sind, wird Elisa mehr als einmal nach der Provenienz des Vaters befragt: algerisch, marokkanisch?
Vieles in Lecomtes Film bleibt vage, ­bevor sich nach und nach der Schleier hebt. Dass dies meist elegant geschieht, ist schön. Dass dies so allumfassend geschieht, weniger.

Je vous souhaite d’être follement aimée (OT) F 2016, 100 Min., R: Ounie Lecomte, D: Céline Sallette, Anne Benoit, Elyes Aguis, Françoise Lebrun, Start: 15.6.

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