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„The Ides of March“ im Kino

gosling_hoffmanSpätestens die Fernsehserie „The West Wing“ hat uns damit vertraut gemacht, dass hinter jedem Politiker ein Rudel von Experten steckt, das jedes Detail der öffentlichen Auftritte auf alle Eventualitäten hin schon vorab festlegt. Die großen Entscheidungsträger sind also eigentlich Marionetten, die gleichzeitig versuchen, selbst die Fäden zu ziehen. In „The Ides of March – Tage des Verrats“ spielt Ryan Gosling einen aufstrebenden Politikberater, der sich unvermutet in einem schmutzigen Spiel wiederfindet.

Zwischen zwei Veteranen des organisierten Stimmenfangs (gespielt von dem hier großartig mephistophelischen Paul Giamatti und dem fast schon selbstdestruktiv wirkenden Philip Seymour Hoffman) muss der junge Idealist Stephen herausfinden, wie man sich im Haifischbecken der amerikanischen Politik bewegt. George Clooney, der selbst auch die tragende Nebenrolle eines liberalen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten spielt, nahm das Theaterstück „Farraguth North“ von Beau Willimon als Grundlage einer skeptischen Parabel über die Machinationen der Macht und über die Unausweichlichkeit des Zynismus. „The Ides of March“ wirkt wie eine lange Folge aus „The West Wing“, und verfügt über die entsprechenden Qualitäten – die Politik als komplexes Feld zu durchschauen, ohne sie deswegen des persönlichen Charismas und der inspirierten Entscheidung völlig zu entzaubern.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Saeed Adyani/TOBIS Film/2011 Ides Film Holding, LLC./Sony Pictures Entertainment Inc

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Ides of March“ im Kino in Berlin

The Ides of March USA 2011; Regie: George Clooney; Darsteller: Ryan Gosling (Stephen Myers), George Clooney (Mike Morris), Evan Rachel Wood (Molly Stearns); 101 Minuten; FSK 12

Kinostart: 22. Dezember

Lesen Sie in der tip-Ausgabe 01/2012 das Porträt von Ryan Gosling.

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