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„Ihr Name ist Sabine“ im Kino

Ihr Name ist Sabine„Schon als Kind war Sabine anders als wir und brauchte besondere Hilfe. Damals war für uns Autismus kein Begriff. Mit 28 wurde sie in die Psychiatrie eingeliefert. Dort blieb sie fünf Jahre. Als sie entlassen wurde, hatte sie alle ihre früheren Fähigkeiten verloren.“ Mit diesen lapidaren Worten resümiert Sandrine das Schicksal ihrer jüngeren autistischen Schwester. Sabine und Sandrine Bonnaire – zwei Schwestern mit ähnlich klingenden Vornamen, deren Lebensweg jedoch unterschiedlicher nicht hätte sein können.
In einem unglaublich starken Dokumentarfilm, der ohne jegliches Pathos das gegenwärtige Lebensumfeld Sabines mit Videoaufnahmen aus der Vergangenheit konfrontiert, zeichnet die berühm­te französische Schauspielerin, die hier zum ersten Mal hinter der Kamera steht, ein bewegendes, ehrliches und unendlich zärtliches Porträt ihrer Schwester und ihrer komplizierten Beziehung zueinander.
Sabine, früher ein strahlendes, außergewöhnlich hübsches Mädchen mit langen braunen Haaren, das begeistert Klavier spielte, ist heute eine aufgedunsene, alterslose und amorphe Frau, erschre­ckend in ihren plötzlichen aggressiven Wutanfällen und anrührend zugleich in Momenten der Zärtlichkeit mit ihrer Schwester und ihren ängstlichen, repetitiven Fragen, ob diese „morgen auch ganz sicher wiederkomme“. Sandrine Bonnaires Dokument, ein subtiles, intimes Porträt und politische Anklage gegen die Unfähigkeit der Institutionen zugleich, ist mehr als ein Film – es ist eine Liebeserklärung.

Text: Barbara Lorey

tip-Bewertung: Sehenswert

Ihr Name ist Sabine (Elle s’appelle Sabine), Frankreich 2007; Regie: Sandrine Bonnaire; Farbe, 88 Minuten

Kinostart: 29. Januar 2009

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