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„Im Auftrag des Terrors“ von Barbet Schroeder

Im Auftrag des TerrorsDer französische Anwalt Jacques Verges ist eine schillernde Figur, verteidigte er vor Gericht doch Leute wie Klaus Barbie, den Nazi-„Schlächter von Lyon“, den jugoslawischen Ex-Staatschef Slobodan Milosevic, Terroristen der RAF und algerische Unabhängigkeitskämpfer.
In seinem Dokumentarfilm „Im Auftrag des Terrors“ entwirft der französische Regisseur Barbet Schroeder anhand von Interviews mit zahlreichen Zeitzeugen ein Porträt dieses Mannes, das zugleich von den Berührungspunkten scheinbar konträrer politischer Auffassungen handelt, etwa zwischen einem Schweizer Neonazi und radikalen Palästinensern, die sich im Hass auf Israel treffen. Im Mittelpunkt steht dabei der internationale Terrorismus der 1970er und 80er Jahre und Verges’ Beziehungen zu seinen führenden Köpfen – sogar den berüchtigten Terroristen Carlos hat Schroeder für Statements ans Telefon bekommen. Schroeder setzt dabei Verges’ Aussagen immer wieder gegen die anderer Gesprächspartner, so dass der Zuschauer sich ein eigenes Bild machen kann. Dass Verges Charisma besitzt und mit seinem Prinzip der „Verteidigung durch Gegenangriff“ spektakuläre Erfolge erzielte, ist allerdings ebenso unbestreitbar wie die Tatsache, dass er die Kunst der Selbstdarstellung beherrscht.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Herausragend

Im Auftrag des Terrors (L’Avocat de la Terreur), Frankreich 2007; Regie: Barbet Schroeder; Mitwirkende: Jacques Verges, Hans-Joachim Klein, Magdalena Kopp; Farbe, 132 Minuten; Französisch, Deutsch, optionale deutsche Untertitel (Bonusmaterial: Interview mit Barbet Schroeder (25 Minuten), Trailer). Erschienen bei Koch Media

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