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Im Gespräch mit Sergei Loznitsa

SergeiLoznizaGratulation, Herr Loznitsa, zur zweiten Einladung in den CannesWettbewerb. Was verändert sich damit für Sie als Filmemacher?
Für mich im Grunde nichts. Der Vertrieb hat es leichter. Und es war nicht ganz so schwer, nach der Cannes-Premie­re von „Mein Glück“ Geld für den nächsten Film zu finden.

„Im Nebel“ spielt im Jahr 1942. Setzen Sie da Themen fort, die Sie in den Episoden Ihres Erstlings „Mein Glück“ entwickelt haben?
Ich habe den Film schon vor mehr als zehn Jahren entwickelt, ich wollte ihn als Erstes machen. Er basiert auf einem Roman von Vasil Bykov (1924–2003), der selbst am Krieg teilgenommen hat und das Buch 1987 herausgebracht hat. Es handelt von einem Eisenbahnarbeiter, der fälschlicherweise beschuldigt wird, ein Verräter zu sein.

In Ihrem letzten Film gibt es einen schrägen, sehr düsteren Humor. Wird man das in „Im Nebel“ wiederfinden?
Wir haben eine spezielle Tradition des Humors. Aber im neuen Film wird das kaum erkennbar sein. Der erste Film war eine Groteske, der neue ist ein Drama, eine Tragödie.

Zeigen Sie den Film in einer analogen Version?
Ja klar!

Sie sind damit, gerade in Cannes, inzwischen Angehöriger einer Minderheit.
Ich glaube nicht. Ich habe gerade mit einem Techniker gesprochen, der sich vor Aufträgen gar nicht retten kann. Wir haben zum Beispiel viele Nachtszenen im Film, die digital nicht so gut aussehen würden wie auf einem analogen Material, wo man den Raum und die Atmosphäre fühlen kann. Warum sollte man, wenn man die Wahl hat, sich für das schlechtere, digitale Material entscheiden?

Sie wurden in Weißrussland geboren, haben einen ukrainischen Pass und in Russland studiert. Seit Jahren leben Sie in Berlin. Ich glaube, es ist nicht relevant, wo ich geboren wurde und welchen Pass ich habe. Der Staat und die Nationalität sind nur die Netze, die uns in bestimmte Strukturen einfangen wollen. Die Seele braucht das nicht. Der Mensch kommt eigentlich sehr frei zur Welt.

Sind Sie eher ein Berliner Filmemacher als ein russischer Filmemacher?
Egal, wie ich mich selbst definiere: Ich bin in der russischen Kultur aufgewachsen und spreche auch Russisch. Heinrich Heine hat in Frankreich gewohnt, er ist auch da begraben, aber er ist nicht zu einem französischen Poeten geworden.   

Interview: Robert Weixlbaumer
Foto: Benjamin Pritzkuleit

Cannes-Premiere von „V Tumane“ (Im Nebel) Am 25.5.
Der Film startet am 15.11. in den deutschen Kinos.

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