Kino & Stream

„Im Keller“ im Kino

Im Keller

Ein verhinderter Opernsänger betreibt im Keller einen Schießstand. Seine Kunden trinken Bier und schwadronieren über „die Türken und andere Naturvölker“, denen „der Islam die Logik austreibt“. Ein Hobby-Blasmusiker lädt in seinen Keller voller Nazi-Devotionalien gern Gäste ein; den Raum mit dem Hitlerbild hält er für den besonders „gemütlichen“ Teil. Ein Paar lebt in einer sadomasochistischen Beziehung: Er putzt die Kloschüssel mit der Zunge, sie quetscht ihm auch gern mal die Hoden. Im Keller geht es richtig zur Sache: Je unangenehmer für ihn, umso mehr freut es beide.
Einmal mehr ist der österreichische Regisseur Ulrich Seidl den Abgründen der menschlichen Seele (und der österreichischen im Speziellen) auf der Spur; nach den Spielfilmen der „Paradies“-Trilogie kehrt er dafür in „Im Keller“ zu einer dokumentarischen Form zurück. „Im Keller“ einen klassischen Dokumentarfilm zu nennen, traut man sich indes nicht: Die Protagonisten mögen echt sein, doch was sie tun, was sie sagen und wie sie es sagen, trägt klar den inszenatorischen Stempel des Regisseurs.
Seidel arrangiert symmetrische Tableaus mit mittig platzierten Protagonisten – als Zuschauer blickt man auf deren Leidenschaften wie auf ein Aquarium mit besonders seltsamen Zierfischen. Das alles entbehrt nicht eines gewissen trockenen Humors und besitzt grimmigen Unterhaltungswert, doch im Grunde ist die Kleinbürgerlichkeit (selbst S/M sieht auf Österreichisch irgendwie gemütlich aus), der man hier anderthalb Stunden zuschaut, irgendwie banal. Vermutlich ist genau das der Effekt, den Seidel erzielen möchte.

Text: Lars Penning

Foto: Neue Visionen

Orte und Zeiten: „Im Keller“ im Kino in Berlin

Im Keller, Österreich 2014; Regie: Ulrich Seidl; 85 Min.

Kinostart: Do, 04. Dezember 2014

Mehr über Cookies erfahren