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Im Kino: „1001 Gramm“

1001 Gramm

Der Meter und das Kilo sind zivilisatorische Grundlagen, da kann es nicht präzise genug sein: Jedes Land hat seine eigenen Maße parat, wie ein Schatz gehütet, gesichert und gepflegt, Basis für die nötige, recht nüchterne Arbeit in den nationalen Normungs- und Eichämtern. In Norwegen ist Marie für die Richtmaße zuständig. Sie hat auch ihr Leben klar und fast wissenschaftlich organisiert. Sie fährt ein Mini-Elektro-auto und wohnt in einem sehr schicken, sehr modernen Haus, aus dem ihr Exmann gerade nach und nach seine Sachen ausräumt. Im Institut redet sie oft bei einer heimlichen Zigarette mit ihrem Vater Ernst (Stein Winge), der eine echte Autorität in Maßen und im Messen ist.
Aber so wie ihr vernünftiges Auto umkippt, wird auch Maries Leben bald auf den Kopf gestellt: Als ihr Vater schwer krank wird, soll sie das norwegische Kilo zu einer Konferenz nach Paris bringen, eine große Verantwortung in einer schweren Zeit. Aber Marie tut natürlich ihre Pflicht. Regisseur Bent Hamer hatte bereits in „Kitchen Stories“ (2003) Wissenschaftlichkeit mit Alltag vermengt, auch in seinem neuen Film gelingen ihm einige wunderbar skurrile Szenen. Sein Blick auf die eigentümlichen Schlüsselfragen des internationalen Eichwesens – Darf der jeweilige Kilokörper gereinigt werden oder nicht? – und den erwartungsgemäß spröden Charme der Wissenschaftler ist oft amüsiert, wird aber nie denunziatorisch.
Auch die Bilder (Kamera: John Christian Rosenlund) führen eher mit Neugier und Witz in eine fremde Welt. Die Figur der von Ane Dahl Torp präzise wie rührend gespielte Marie ist trotz nicht unkomischer Momente – eine Konfrontation mit einer französischen Zollbeamtin ist sehr lustig – hier für die unerwartet emotionale Bodenhaftung zuständig. Da gibt es Leid und Liebe drin. Und vieles, was sich eben nicht messen oder eichen ließe.

Text: Thomas Klein

Foto: Pandora Film Verleih, 2014

Orte und Zeiten: „1001 Gramm“ im Kino in Berlin

1001 Gramm (1001 Gram), Norwegen/Frankreich/Deutschland 2014; Regie: Bent Hamer; Darsteller: Ane Dahl Torp (Marie), ?Laurent Stocker (Pi), Stein Winge (Ernst); 91 Minuten

Kinostart: Do, 18. Dezember 2014

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