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Im Kino: „Abgebrannt“

Abgebrannt

Aus Berlin nüscht Neuet? Doch, der rauhe Weddinger Alltag hat es wieder ins Kino geschafft. Den zumindest versucht die junge Deutschtürkin Pelin in „Abgebrannt“ zu meistern. Doch mit Schulden, Hartz IV und drei Kindern von unterschiedlichen Vätern ist das kaum zu schaffen. Ihr derzeitiger Freund ist Dealer und alles andere als eine Stütze. Als ihr jüngster Sohn dessen Ecstasy Pillen mit Bonbons verwechselt und deswegen beinahe stirbt, beginnt eine Abwärtsspirale, der Pelin kaum entrinnen kann. Nur eine Mutter-Kind-Kur an der Nordsee bietet eine Gnadenfrist vor dem sicheren Ämterterror.
Regisseurin Verena Freytag beschönigt in ihrer stimmigen Milieustudie nichts, wagt glücklicherweise auch keine optimistische Prognose. Stattdessen zeigt sie Pelins Tage (beeindruckend gespielt von Maryam Zaree) als atemlosen Hürdenlauf. Dass Pelin in ihrem Chaos noch Humor bewahrt und Zeit für kleine Auszeiten und seltsame Freundschaften findet, spricht für die Stärke der jungen Tätowiererin. Manchen mag sie als moderne Sisypha erscheinen, anderen sträuben sich angesichts Pelins Lebenseinstellung die Haare.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Missing Films

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Abgebrannt“ im Kino in Berlin

Abgebrannt, Deutschland 2010; Regie: Verena S. Freytag; Darsteller: Maryam Zaree (Pelin), Tilla Kratochwil (Christa), Lukas Steltner (Edin); 103 Minuten; FSK 12

Kinostart: 22. September

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