Kino & Stream

Im Kino: „Alles andere zeigt die Zeit“

Im Kino:

An das Gefühl, fast geweint zu haben, als 1990 die D-Mark und somit der Kapitalismus über die DDR kam, kann sich Isabel nicht mehr erinnern. 2015 ist sie Insolvenzverwalterin in Stuttgart und regelt sachlich den finanziellen Untergang anderer. Sven wiederum hatte nach der Wende große Träume, doch das Einzige, was bei ihm bis 2015 Fortschritte gemacht hat, ist die Anzahl an Tattoos. Und Renate, die 1990 über ihre Stasi-Mitarbeit berichtet hatte? Die lebt nicht mehr, ihre Tochter Jenny hat sich endlich durchgerungen, Einblick in die Stasiakte der Mutter zu nehmen. Mit Filmen wie „Letztes Jahr Titanic“ (1991) und „Große weite Welt“ (1997) blickte Andreas Voigt bereits mit viel Empathie auf junge Menschen in Leipzig, nun hat sich der Regisseur drei der Menschen aus den 90ern noch einmal angenommen. Geschickt wechselt er zwischen gestern und heute, wobei das spürbare Vertrauen der Protagonisten zum Dokumentarfilmer diese ganz offen über Beweggründe und verpasste Chancen erzählen lässt.     

Text: Martin Schwarz

Foto: DOK Leipzig 2015

Orte und Zeiten: Alles andere zeigt die Zeit

Alles andere zeigt die Zeit D 2015; R: Andreas Voigt; 90 Min.

Kinostart:
Do, 28. Januar 2016

Mehr über Cookies erfahren