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Im Kino: „Am grünen Rand der Welt“

Im Kino:

Wie ist Thomas Vinterberg da nur reingeraten? Der Mitbe­gründer der „Dogma“-Initiative in den 90er-Jahren drängt sich nicht spontan auf als Regisseur für eine Neuverfilmung von „Far from the Madding Crowd“, dem 1874 erschienenen Erfolgsroman des Briten Thomas Hardy. In typischer Verbindung von Verklärung der englischen Landschaft und Kritik der Klassen- und Geschlechterverhältnisse wird darin die Liebesgeschichte zwischen dem Schäfer Gabriel Oak und der Landgutbesitzerin Bathsheba Everdene erzählt.
Dass die beiden füreinander bestimmt sind, ist im Film vom ersten Treffen an klar. Doch um sie wirklich zusammenzubringen, braucht es knapp zwei Stunden. Genau dieses melodramatische ­Aushalten scheint Vinterberg zu interessieren, die ständige Wiederaufführung von ungelebten Gefühlen als Exerzitium für Darsteller und Zuschauer. Der spezielle Verismus dieses Films funktioniert als dramaturgisch ausgelebter Masochismus, mit den opulenten Bildern als Pelz und dem fortwährenden Aufschub der Liebeserfüllung als Peitsche. Aus dieser Perspektive ist „Am grünen Rand der Welt“ ein großartiger Film. Man muss nur das Leiden genießen können.     ?

Text: Stella Donata Haag

Foto:
2015 Twentieth Century Fox

Orte und Zeiten:
„Am grünen Rand der Welt“ im Kino in Berlin

Am grünen Rand der Welt (Far From The Madding Crowd), USA/Großbritannien 2014; Regie : Thomas Vinterberg; Darsteller: Carey Mulligan (Bathsheba Everdene), Matthias Schoenaerts (Gabriel Oak), Michael Sheen (William Boldwood); 119 Minuten

Kinostart: Do, 16. Juli 2015

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