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Im Kino: „Another Glorious Day“


In dem vergitterten Raum auf der Bühne spielt sich ein alltäglicher Ablauf in einem Marinegefängnis ab: Wärter schlagen die inhaftierten GIs zusammen und erteilen ihnen sinnlose Befehle. Am Ende sind alle Inhaftierten gebrochene Männer.
Das Theaterstück „The Brig“, geschrieben von Kenneth H. Brown und 1963 in New York von Judith Malinas Living Theatre uraufgeführt, gilt heute als Klassiker des pazifistischen Theaters, dessen realistische Form – das Geschehen im Gefängnis folgt keiner sichtbaren Dramaturgie, sondern reiht brutale Szenen aneinander – die Kritik am US-Militär und dessen unmenschlichen Umgang mit den Gefangenen noch deutlicher macht.
Montagen aus Interviews (unter anderem mit Brown und Malina) sowie Bühnen- und Straßen­sze­nen einer Aufführung auf dem Ber­­liner Oranienplatz 2008 verdichten das Konzept des Living Theatres, das Antiautorität und zivilen Ungehorsam propagiert, zu einer stimmungsvollen Dokumentation.
Brown schrieb das Stück während seiner Inhaftierung in einem Marinegefängnis 1957 in Japan. Vor dem Hintergrund von Guantбnamo und Abu Ghraib erinnert „The Brig“ umso stärker daran, dass das mächtigs­te Land der Welt in seinen Gefängnissen noch immer menschen­feindliche Haftbedingungen zulässt, wenn nicht befördert.

Text: Sassan Niasseri / Foto: Peter Müller

tip-Bewertung: Sehenswert

Another Glorious Day, Deutschland 2009; Regie: Karin Kaper und Dirk Szuszies; Farbe, 95 Minuten;

Kinostart: 19. November

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