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Im Kino: „Ant-Man“

Ant-Man

Wie vom Fließband kommen die Comic-Superhelden heutzutage auf die Leinwand, besonders die verzahnten Kinoabenteuer von Disney-Tochter Marvel brauchen sich um Zuschauermangel kaum zu sorgen: Selbst fade Filme funktionieren kommerziell, selbst aus Figuren der zweiten Reihe wie den „Guardians of the Galaxy“ lassen sich zugkräftige Spektakel machen. Auch „Ant-Man“ ist eigentlich kein Comic-Superstar. Fast zehn Jahre hatte Edgar Wright („Shaun of the Dead“) an einer Verfilmung gearbeitet, bevor ihn Marvel im letzten Frühsommer von dem Projekt entbunden hat. Kein gutes Omen: Am Drehbuch von Wright und Joe Cornish waren später noch Adam McKay und Hauptdarsteller Paul Rudd dran, die Regie übernahm TV- und Komödienregisseur Peyton Reed.
Ant-ManDas versammelte komödiantische Talent kommt dem Stoff durchaus zugute, ganz ernst mag man die Geschichte des Wissenschaftlers, der sich auf Insektengröße schrumpfen kann und auf ein Heer von Ameisen als Assistenten zugreift, ja nicht nehmen. Und tatsächlich gelingt „Ant-Man“, woran die meisten Marvel-Movies scheitern: Über weite Strecken erzählt der Film mit Witz und Leichtigkeit von Scott Lang (Paul Rudd), frisch aus dem Knast entlassener Profieinbrecher mit Robin-Hood-Komplex und geschiedener Vater einer kleinen Tochter.
Bald droht Lang auf die schiefe Bahn zurückzufallen, doch der von seinem Freund Louis (charmant dusselig: Michael Pena) organisierte Fischzug ist nur ein Test. Und zwar von Hank Pym (Michael Douglas). Der hatte vor Jahrzehnten einen Anzug und eine Substanz (ja, das „Pym-Partikel“) entwickelt, die ihn zum mikroskopischen Superhelden machten; aus Angst, seine Erfindung könne in falsche Hände fallen, hat er sich bald zurückgezogen. Doch jetzt droht Pyms unangenehmer Nachfolger Cross (Corey Stoll) die Formel zu duplizieren. Um ihn zu stoppen, soll Lang als neuer „Ant-Man“ eingreifen.
Weltrettung mal im, pardon, Kleinen: Es ist sehr angenehm, statt zusammenstürzender Großstädte schicksalhafte Kämpfe auf einer Spielzeugeisenbahn zu sehen. Das Handwerkliche – die Effekt-Technik, die 3D-Bilder – ist sehenswert, das Ensemble, besonders Rudd und Douglas, gibt dem Film viel Charme. Trotzdem bleibt „Ant-Man“ manchmal aber leider doch ein typischer Marvel-Film: Zu lang gerät die Exposition, zu stereotyp bleiben einige Figuren, zu kitschig wirkt die große Heldentat, zu aufgesetzt die Bezugnahme anfangs, in der Mitte und natürlich am Schluss auf vergangene und kommende Produktionen, hier „Captain America: Civil War“ (Mai 2016). Nette Zerstreuung mit Punktabzügen.

Text: Thomas Klein

Foto: Zade Rosenthal / Marvel 2014

Orte und Zeiten: „Ant-Man“ im Kino in Berlin

Ant-Man, USA 2015; Regie: Peyton Reed; Darsteller: Paul Rudd (Ant-Man/Scott Lang), Michael Douglas (Hank Pym), Evangeline Lilly (Hope van Dyne); 117 Minuten

Kinostart: Do, 23. Juli 2015

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