• Kino & Stream
  • Im Kino „Aquele querido mкs de Agosto“ von Miguel Gomes

Kino & Stream

Im Kino „Aquele querido mкs de Agosto“ von Miguel Gomes

Aquele_querido_mes_de_agostoDie kunstvolle Durchmischung von Dokumentation und Fiktion, von Erzählebenen und Erzählerinstanzen kennt allerhand herausragende Beispiele im zeitgenössischen Kino. Große Regisseure wie Abbas Kiarostami („Close Up“), Mohsen Makhmalbaf („Salaam Cinema“), Apichatpong Weerasethakul („Mysterious Object at Noon“) oder Jia Zhangke („24 City“) haben in den letzten Jahrzehnten irrwitzige Selbstdramatisierungen des Geschichtenerzählens geliefert, oft mit ganz einfachen Regeln, die umso komplexere Filme erzeugt haben. Jetzt gibt es einen Neuzugang in dieser Welt, in der sich alle Grenzen verflüssigen, zu bewundern: Der portugiesische Regisseur Miguel Gomes, Jahrgang 1972, der auf Festivals die Kritikerprofis zum Staunen und Rätseln gebracht hat, öffnet in seinem Werk ungewöhnliche Übergänge mit größter Spielfreude und manchmal auch mit sehr direktem Effekt. Die Eröffnungssequenz seines jüngsten Filmes „Aquele querido mкs de Agosto“ liefert ein prägnantes Bild dafür: Ein Fuchs schleicht sich da in einen doch nur scheinbar sicher abgeschlossenen Hühnerstall und löst dort flatternde Panik aus.

Dergleichen Übergänge finden sich in Gomes’ Kino auf anderen Ebenen, zwischen Fiktion und Dokumentation, Musical, Komödie und Melodram. Es sind sinnlich und intellektuell anregende Spiele, die in der großen und der ganz kleinen Form funktionieren, wie auch die Retro belegt, die das Kino Arsenal parallel zum Kinostart von „Aquele querido mкs de Agosto“ (Unser geliebter Monat August) zeigt. Der Schauplatz dieses Films ist der Landstrich rund um das Städtchen d’Arganil in Zentralportugal. Jedes Jahr füllt sich die Gegend für die Augustwochen mit Touristen und portugiesischen Emigranten, die zu Tausenden für die Ferien in ihre Heimat zurückkehren. Prozessionen mit Figuren der lokalen Schutzheiligen münden in große Dorffeste mit Tanz und Musik von Schlagerbands. Zugleich wandern Akkordeongruppen von Haus zu Haus und besingen den Alltag (oder die tiefenpsychologischen Verwicklungen) in den Heimen der Nachbarn. Eine karnevaleske Ausnahmeatmosphäre breitet sich aus, in der mit größter Direktheit fast alles verhandelt werden kann.

Aquele_querido_mes_de_agostoVor diesem realen Hintergrund wollte Gomes 2006 ein musikalisches Melodram drehen, „gestrickt aus populären Chansons, farbigen Sequenzen (auf dem Planeten Mars) und Schwarzweiß (in der Landschaft der Kindheit)“. Doch aus dem ursprünglich geplanten Film wurde nichts. Casting- und Finanzierungsprobleme führten wenige Wochen vor dem eigentlichen Drehbeginn zum Abbruch des Projekt, aber Gomes filmte dennoch die Konzerte und Feste des Musiksommers, ließ sich von den Dörflern Geschichten erzählen, von blutigen Familiendramen und lokalen Heldentaten, wie den gefährlichen Brückensprüngen einer Berühmtheit aus der Gegend namens Paolo in den Fluss, der d’Arganil durchzieht. Als der Regisseur ein Jahr später das Projekt wieder aufnahm, tat er das mit einer neuen Regel, die überaus komplexe Effekte zeitigte: Alles aus der Dokumentarebene durfte in den Spielfilm eintreten …

Den gesamten Artikel von tip-Redakteur Robert Weixlbaumer lesen sie in der aktuellen Ausgabe Nr. 12/2010.

Aquele querido mкs de Agosto im Kino in Berlin
Portugal 2008; Regie: Miguel Gomes; Darsteller: Sуnia Bandeira, Fбbio Oliveira, Joaquim Carvalho; 150 Minuten;
Kinostart: 3. Juni

Ins Wunderland – Die Filme von Miguel Gomes„, Kino Arsenal, Do 27. bis Mo 31.5.; Eröffnung und Vorpremiere von „Aquele querido mкs de Agosto“ in Anwesenheit von Miguel Gomes

Mehr über Cookies erfahren