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Im Kino: „Bandaged“

Seit Jahren arbeitet Maria Bea­t­ty an der Fusion von hoch ästhetisierten Spielfilmbildern mit pornografischen queer pleasures. Die Bandbreite des Werks, in dessen Zentrum meist lesbische und gern auch sadomasochistisch insze­nier­te Sexualität steht, reicht von Strap-on-Avantgarde bis zu CrossGender-Dramen wie „Boy in a Bathtub“. Gerade erst feierte auf dem Pornfilmfestival ihr Kurzfilm „Belle de Nature“ Premiere, der seine abenteuerlustige Darstellerin mit Raupen, Käfern und dominanten Ranken konfrontierte.
„Bandaged“ heißt der jüngste Langfilm der in Paris und New York lebenden Regisseurin, und es ist, verglichen mit der Zeichenwelt ihrer üblichen Arbeitsfelder, ein sehr züchtiges Werk. Aus der Ferne von George Franjus Klassiker „Augen ohne Gesicht“ inspiriert, erzählt Beatty von einer jungen Frau (Janna Lisa Dombrowsky), die sich mit einer Säureflasche selbst das Gesicht verätzt hat, um dem Klammergriff des dominanten Mediziner-Vaters zu entkommen. Das Leidenschaftsdrama, das sich mit dem Erscheinen ihrer Pflegerin (Susanne Sachsse) ankündigt, bleibt allerdings seltsam leblos. Das liegt weniger daran, dass Lucilles Gesicht bald hinter den weißen Mullbinden verschwindet, als am unterkühlten Inszenierungsstil: „Bandaged“ ist ebenso schwer zu datieren wie räumlich zu verorten, ein Effekt, den die deutschen Akteure noch verstärken, die ihren englischen Dialogen wenig Lebendigkeit einhauchen können. Während der Vater in seinem Labor nach Wegen sucht, der Tochter wieder ihre narbenlose Schönheit zurückzugeben, verschiebt Beatty den Ausbruch der Gefühle auf unerwartetes Terrain: Wenn Pflegerin und Patientin endlich zusammenfinden, beginnen Lucilles Narben wieder aufzugehen, kehren dunkle, blutige Risse in ihr Gesicht zurück. Aber die Reaktion ist nicht Panik, sondern atemlose Begeisterung über die neue, sich ankündigende Freiheit. Die Wunden sind willkommen, als Zeichen der absoluten Befreiung.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Zwiespältig

„Bandaged“ Deutschland/USA 2009; Regie: Maria Beatty; Darsteller: Janna Lisa Dombrowsky (Lucille), Susanne Sachsse (Joan Genova), Hans Piesbergen (Arthur); Farbe, 92 Minuten

Kinostart: 19. November

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