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Im Kino: „Bastard“

Bastard

Zunächst fängt in Carsten Ungers Debütfilm alles erwartbar an: Ein kleiner Junge ist entführt worden, die Polizei unternimmt routinierte Ermittlungen, und die hinzukommende Psychologin (Martina Gedeck) geht auf raffinierte Weise den verflochtenen Spuren nach, die zum Täter und seinem Motiv führen. Jedoch transformiert sich die konventionelle Ausgangskon­stellation schnell in einen bisweilen bizarr überzeichneten Psychothriller, in dem das klassische Set-up überraschende Verkehrungen der erwartbaren Rollenmuster erfährt. Denn hinter der Kindesentführung steht ein sich früh zu erkennen gebender, nicht strafmündiger Jugendlicher – der „Bastard“ des Titels –, dem sich wegen seiner perfid unberührbar scheinenden Kälte rasch eine lolitaesk aufreizende Teenagerin als Gefährtin aufdrängt. Ungers forcierter Inszenierungsstil versorgt seine Figuren etwas penetrant mit trivial-psychologischen Attributen. Doch trotz der bisweilen haltlos kraftstrotzenden Effekte und ihren Überdeutlichkeiten folgt man der Geschichte der „schrecklichen Kinder“ und ihrer masochistischen Machtspiele gespannt bis zum Schluss.

Text: Michael Baute

Foto: Kerstin Stelter / W-film

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Bastard“ im Kino in Berlin

Bastard, Deutschland 2011; Regie: Carsten Unger; Darsteller: Martina Gedeck (Claudia Meinert), Markus Krojer (Leon), Antonia Lingemann (Mathilda); 130 Minuten; FSK 12

Kinostart: 18. April

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