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Im Kino: „Beim Leben meiner Schwester“

Es hört sich eigentlich nicht un­interessant an: Die elfjährige Anna verklagt ihre Eltern auf „medizinische Unabhängigkeit“, weil sie nicht mehr länger als Ersatzteillager für ihre an Leukämie erkrankte ältere Schwester Kate dienen will. Doch aus keinem anderen Grund hatte Mutter Sara das Mädchen einst zur Welt gebracht, und seine Aufkündigung der Dienstbarkeit wirkt wie ein Erdbeben, das den Zusammenhalt der Familie erschüttert.
Die Geschichte, die „Beim Leben meiner Schwester“ erzählt, berührt jede Menge drängender Fragen, die sich im Zusammenhang mit den Verfahren moderner Medizin stellen: zum Verhältnis von Moral und Machbarkeit ebenso wie zur Würde des Menschen im Leben und im Tod. Was aber macht Regisseur Nick Cassavetes aus diesem Stoff? Eine rührselige Schmonzette, die über die Aneinanderreihung privater Episödchen nicht hinauskommt und dabei mit verärgernder Häufigkeit beim visuellen Gestaltungsklischee der mit Schmalzmusik übergossenen Zeitlupen-Montage Zuflucht sucht. Entgeistert nimmt man die geradezu Leinwand sprengende Einfallslosigkeit zur Kenntnis, mit der das schwierige und wichtige Thema verschenkt wird.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Ärgerlich

Orte und Zeiten: „Beim Leben meiner Schwester“ im Kino in Berlin

Beim Leben meiner Schwester (My Sister’s Keeper), USA 2009; Regie: Nick Cassavetes; Darsteller: Cameron Diaz (Sara Fitzgerald), Abigail Breslin (Andromeda Anna Fitzgerald), Alec Baldwin (Campbell Alexander); Farbe, 109 Minuten

Kinostart: 27. August

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